31/07/2026 0 Kommentare
Das Wort zum Sonntag 02. August 2026 "Zu sich selbst stehen"
Das Wort zum Sonntag 02. August 2026 "Zu sich selbst stehen"
# Öffentlichkeitsarbeit

Das Wort zum Sonntag 02. August 2026 "Zu sich selbst stehen"
Zu sich selbst stehen
Lieber Leser, liebe Leserin,
neulich war ich mit meinen Kindern im Kino. Wir haben uns Toy Story 5 angesehen. Die achtjährige Bonnie bekommt von ihren Eltern ein froschähnliches Tablet mit dem Namen Lilypad. Es soll ihr helfen, neue Kontakte zu knüpfen. Was zunächst wie ein praktischer Begleiter wirkt, verändert ihr Leben nach und nach. Bonnie verbringt immer weniger Zeit mit ihrem geliebten Spielzeug. Buzz Lightyear, Rex und Jessie bleiben immer häufiger unbeachtet in der Ecke liegen. Mit Lilypad verbindet sich für Bonnie die Hoffnung, endlich wirkliche Freunde zu finden. Zunächst scheint dieser Wunsch in Erfüllung zu gehen. Doch schon bald belächeln Bonnies virtuelle Freunde die Spielzeuge, mit denen sie schon so viele Abenteuer erlebt hat. Weil sie nicht zur Außenseiterin werden möchte, passt sich das junge Mädchen an. Nach und nach gibt sie das auf, was ihr einmal wichtig war.
Genau darin liegt für mich eine wichtige Botschaft des Films. Er erzählt von einer Sehnsucht, die vielleicht auch du kennst: angenommen zu werden, dazuzugehören und deinen Platz im Leben zu finden. Daran ist nichts falsch. Wir Menschen sind auf Gemeinschaft hin geschaffen. Doch diese Sehnsucht kann zur Last werden, wenn du dich dafür verbiegst. Das geschieht oft ganz unmerklich. Du stimmst Dingen zu, obwohl dein Herz widerspricht. Du zeigst nur die Seiten von dir, die Beifall finden. Nach außen wirkst du angepasst. Doch innerlich ziehst du dich immer mehr zurück. So verlierst du dich selbst, nicht von heute auf morgen, sondern ganz allmählich.
In diese Sehnsucht hinein spricht Jesus ein Wort, als er mit seinen Jüngern über die Nachfolge spricht. Er macht ihnen deutlich, dass ein erfülltes Leben nicht darin besteht, immer mehr zu gewinnen oder zu besitzen. Entscheidend ist, dass der Mensch sich selbst nicht verliert. Deshalb stellt Jesus die Frage, die bis heute nachklingt: „Denn was hilft es dem Menschen, die ganze Welt zu gewinnen und Schaden zu nehmen an seiner Seele?“ (vgl. Markus 8,36) Mit anderen Worten sagt Jesus damit: Du findest dich selbst nicht, indem du deinen Wert allein aus Besitz, Erfolg oder der Anerkennung anderer beziehst. Du findest zu dir selbst, indem du entdeckst, wer du in den Augen Gottes bist. Gott sieht den Menschen so, wie er ihn von Anfang an gedacht hat: als sein geliebtes Kind.
Wenn du dich von Gott ansehen lässt, kannst du nach und nach entdecken, wer du wirklich bist. Gottes Blick richtet auf. Er lässt dich deine Würde erkennen, deine innere Schönheit und das Gute, das er in dich hineingelegt hat. Er erinnert dich daran, dass du als Ebenbild Gottes geschaffen bist, unverwechselbar und unendlich wertvoll. Wenn du aus diesem Blick zu leben lernst, kannst du besser zu dir selbst stehen. Du wirst freier, deinen eigenen Weg zu gehen. Nicht, weil die Meinung anderer plötzlich keine Rolle mehr für dich spielt. Sondern weil du immer mehr darauf vertraust: Mein Wert hängt nicht davon ab, was andere über mich denken. Mein Wert gründet darin, dass Gott Ja zu mir sagt.
Ich wünsche dir einen gesegneten Sonntag.
Pfarrer Mario Huhn
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