Evangelische Kirchengemeinde Menden – Wort zum Sonntag


Die Jugendkirche auf Zeit ist zu Ende

Liebe Leserin, lieber Leser,
das 55 Jahre alte Paul Gerhardt Haus auf Platte Heide hat in den vergangenen 14 Tagen etwas erlebt, was sich vermutlich so schnell nicht wiederholen wird: Es hat sich für 14 Tage in eine Jugend-Kirche verwandelt, die jungen Menschen viel Raum gab.

Highlight war ein Rockkonzert in der Kirche. Da sind wir als evangelische Gemeinde jungen Menschen ziemlich nahe gekommen.

Früher war es oft so, dass die Kirche mitten im Dorf stand. Eine Kirche bildete den Mittelpunkt der Stadt.  Die Menschen siedelten kreisförmig darum herum. Irgendwann wurde der Wohnraum in der Mitte zu klein. Es wurden Siedlungen am Rande des Zentrums gebaut. Beim Entstehen dieser Siedlungen wurde nicht immer darauf geachtet, ob und welchen Mittelpunkt sie hatten. Kleine Einkaufszentren stehen da, wo früher eine Kirche gestanden hätte.

Die Kirche rückte an den Rand. In den Kirchen hört man dazu oft: Die Menschen haben  sich von der Kirche entfernt. Ich meine: Wenn die Kirche einfach nur  in der Mitte bleibt, kann sie nicht mehr  nahe bei den Menschen sein. Bestenfalls hat sie Filialen in den Ortsteilen errichtet: Mit weniger Geschichte, weniger Glanz, weniger Personal. Die Menschen könnten ja kommen, wenn sie das Bedürfnis hätten. Die Tore stehen also offen. Aber sie kommen nicht mehr wie früher.

Pfarrer Bernd Lorsbach
Pfarrer Bernd Lorsbach
Die Jugendkirche auf Zeit hat das auch kennengelernt, dass niemand kam. Manchmal hing unser Fähnchen ziemlich schlaff im Wind. Dann aber fand sie Botschafter aus, die in die Schulen gegangen sind. Die Band „taste“, eine  Rockformation aus Großbritannien gab Schulkonzerte z.B.  in der Bonifatius-Schule und am „Gelben Morgen“, nahm Kontakt zu den Schülerinnen und Schülern auf und schenkte ihnen ein Rock-Konzert am   vergangenen Samstagabend in unserer  Kirche.  Die Kirche war voll. Die Stimmung großartig. Und mitten drin ein Wort Gottes, kurz und eindeutig.  

Nach dem, was ich beobachtet habe, waren die Jugendlichen begeistert. Sie fanden etwas, was sie mit Kirche so nicht verbunden haben: Ihre Musik. Ihre Interessen. Ihre Sorgen. Curry-Wurst. Erstaunt stellten sie fest:  Kirche interessierte sich für sie, nahm Kontakt mit ihnen auf, mit ungewöhnlichen Methoden. Kirche hatte ihre Gehstruktur wieder entdeckt. „Geht hinaus in alle Welt!“

Hier und da tun wir uns noch schwer. Die Couch in der Stadt z.B., auf der Menschen ihre Meinung sagen können – das haben wir noch nicht geschafft. Für vieles andere aber sind wir jetzt nach diesen 14 Tagen sehr, sehr  dankbar.

Ein schönes Wochenende wüscht
Ihr Bernd Lorsbach


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