Wort zum Sonntag


Pfingsten – Feuer und Flamme

Liebe Leserinnen und Leser!

Ellen Gradtke
Ellen Gradtke
Berufsschulpfarrerin aus Menden

„Warum gibt es denn Pfingsten schulfrei?“ – „Da ist doch Pfingstkirmes!“ war die Antwort meiner Schülerinnen und Schüler. Klar, es ist Pfingstkirmes in Menden und das schon sehr lange. Aber das Pfingstfest, das der Kirmes ihren Namen gegeben hat, das gibt es noch viel länger.

Am fünfzigsten Tag nach Ostern erinnert dieses Fest uns an die Ausgießung des Heiligen Geistes. Man könnte auch sagen: Die Kirche hat Geburtstag, denn Pfingsten ist das Fest, an dem die Entstehung der christlichen Kirche festgemacht wird.

Auf Bildern und Gemälden sieht man kleine Feuerflammen über den Köpfen der Apostel schweben, und es wird berichtet, dass sie plötzlich in vielen Sprachen reden konnten und das Evangelium verkündet haben. Jesus hat die Menschen zu seiner Zeit begeistert. Er hat von ihnen aber auch etwas gefordert. Mit seiner Botschaft hat er ein Feuer angezündet, das dann über Generationen weitergegeben worden ist.

Die Apostelgeschichte, die Briefe von Paulus, und auch die Evangelien erzählen auf verschiedene Weise, wie die junge Christengemeinde versucht hat, das Feuer zu hüten – allen Angriffen und Verfolgungen zum Trotz. Auch wenn sie sich manchmal mehr mit dem Zank um das Fegen der Asche als mit dem Auflegen der Holzscheite beschäftigt haben, ist es dennoch gelungen, in vielen Menschen ein Feuer für die Botschaft von Jesus Christus anzuzünden. Und so hat die Kirche überlebt, denn „Tradition ist nicht das Halten der Asche, sondern das Weitergeben der Flamme" (Thomas Morus).

Gottes Geist weht, wo er will und nicht unbedingt dann und dort, wo wir es gerne hätten. Nach eigenen Angaben kennen nur etwas mehr als die Hälfte der Deutschen die Bedeutung des Pfingstfestes, was aber nicht heißt, dass sie den Inhalt ablehnen würden. Denn der Geist schenkt Befreiung und ein neues Leben. Ein Leben, das Trost schenkt. Ein Leben, das sich durch den Glauben nicht mit der Macht des Todes abfindet. Ein Leben, das einen neuen Anfang finden kann, wenn es in die Sackgasse geraten ist. Ein Leben, das nicht nur den Eigennutz als oberstes Prinzip hervorhebt, sondern auch den Blick für andere öffnet, die Not leiden.

Da, wo der Geist Gottes weht, da spürt man es: da werden harte Herzen weich; denn Gottes Geist ist ein Geist der Liebe. Da werden ängstliche Menschen (wie Petrus und die Jünger) mutig und tatkräftig. Da werden Gebundene befreit, denn der Heilige Geist ist ein Geist der Freiheit, der in die Freiheit führt. Da werden gestörte Beziehungen geheilt. Denn der Geist, der in uns wohnen will, ist der Geist der Vergebung. „Wo Vergebung ist, da ist Leben und Seligkeit“, sagte schon Martin Luther.

Das alles feiern wir Pfingsten, wäre doch schade, wenn wir darauf verzichten würden, oder? Machen wir es also auch heute so wie die Apostel damals – lassen wir uns anzünden für das Gute, lassen wir uns neu begeistern von der Botschaft von Jesus und haben wir auch den geistigen Mut, etwas Neues aufzulegen und damit das Feuer zu schüren und dieses wichtige Fest zu erhalten.

Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin aus Menden


Link-Pfeil Archiv Geistliches Wort