Wort zum Sonntag


Mut zu Veränderungen

Liebe Leserinnen und Leser,
es gibt in der Bibel Geschichten, die eignen sich besonders gut für Kinder. Eine davon ist die des kleinen Mannes namens Link-Pfeil Zachäus(Lk.19,1-10).

Pfarrer Hans D.  Daubner
Pfarrer Hans D. Daubner

Die Geschichte ist schnell erzählt: Zachäus, der Zöllner hatte gehört, dass Jesus in seine Stadt kommt. Zachäus will Jesus unbedingt sehen und nach Möglichkeit auch sprechen. Das Gleiche möchten aber auch die andern Bewohner der Stadt. Sie alle warten auf Jesus. Und dann kommt er. Zachäus aber kann ihn nicht sehen, weil ihm die Menschen die Sicht nehmen. Da lässt er sich etwas einfallen: Er steigt auf einen Maulbeerbaum, um den vorüberziehenden Jesus sehen zu können. Jesus sieht auch ihn, den Zöllner und ruft ihm zu: „Zachäus steig herab, denn ich will heute dein Gast sein.“ So kommt es dann zur Begegnung zwischen ihnen, einer Begegnung, die gewaltige Folgen haben wird.

Was fasziniert denn Kinder so sehr an dieser Geschichte? Den Kindern, die diese Geschichte hören, fällt  vor allem auf, dass Zachäus klein war. Auch Kinder sind klein und das macht ihnen manchmal Schwierigkeiten. Denn wer klein ist, der kann nicht richtig sehen, dem versperren die Großen die Sicht. Wer klein ist, wird nicht für voll genommen in der Welt der Erwachsenen. Umso mehr bewundern Kinder, diejenigen, die die Kühnheit besitzen, mit Tricks den Nachteil ihrer fehlenden Größe zu überwinden. Zachäus besitzt solche Eigenschaften. Darum gilt „kleiner Mann – ganz groß“.

Aber Zachäus war nicht nur ein gewitzter und schlauere Baumkletterer. Er war auch ein Zöllner. Und hier hat sich seit einigen Jahren eine Veränderung ergeben. Die drei bis fünfjährigen wissen nicht mehr, was ein Zöllner ist. Man trifft sie kaum noch an – die Männer, an den Ländergrenzen in ihren grünen Uniformen mit der Frage auf den Lippen, ob man  denn etwas zu verzollen  hätte. Hier aber nun wird die Geschichte auch für Erwachsene interessant.

Der unbeliebte Zöllner erfährt nämlich durch die Begegnung mit Jesus eine gewaltige Veränderung: „ . . .wenn ich jemanden betrogen habe, so gebe ich es vierfach zurück.“ (V.8). Sinneswandel, Kehrtwende, radikale Veränderung, das übersteigt allerdings die Kinder und richtet sich an uns die Erwachsenen. Zachäus und wir – das wäre die Ausweitung der Geschichte und hätte auch mit den Folgen zu tun, die sich daraus ergeben. Eine davon könnte ein Nachdenken über die Finanzgebahrung, über den Umgang mit Geld überhaupt, über den Stellenwert desselben sein. Das, was damals durch einzelne Zöllner geschah, geschieht heute in großem Stil. Geprellte sind nicht mehr einzelne „Grenzgänger“, sondern Gesellschaften, Banken, Konzerne, Staaten. Link-Pfeil Gabor Steingardt hat anlässlich eines Vortrags in Menden gesagt: „Die Banken müssen zurück in ihre Rolle. Sie müssen wieder dienen.“

Ist es denn nicht das, wozu Zachäus bewegt und verändert wurde? Vom Gewinn hin zur Menschlichkeit, von der Gier zur Mäßigkeit, von der Gleichgültigkeit zur Nächstenliebe. So berührt die Geschichte von dem kleinen Zachäus nicht nur Kinder, sondern auch Erwachsene. Regt zum Nachdenken an, macht  Mut zu Veränderungen.

In diesem Sinne wünscht einen schönen Sonntag,
Ihr Hans D.Daubner
Pfarrer der Evangelsichen Kirchengemeinde Menden     


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