Wort zum Sonntag


Das Leben, eine Kletterpartie?

Liebe Leserinnen und Leser,
Thomas v. Pavel
Thomas v. Pavel
Berufsschulpfarrer in Iserlohn

Klettern scheint „in“ zu sein. An vielen Orten sind in letzter Zeit neue Klettergärten entstanden. Es scheint eine gewisse Faszination vom Klettersport auszugehen. Vielleicht ist es die Mischung aus sportlichem Ehrgeiz einerseits und dem etwas anderen Sport andererseits, was das Klettern ausmacht.

Darüberhinaus liegt aber auch der Reiz im Klettern darin, wie ich aus eigener Erfahrung sagen kann, eigene Grenzen und Ängste zu überwinden, auf sich selbst und seine Fähigkeiten zu vertrauen und darauf, dass die Technik, das Sicherungssystem hält. Überhaupt: Vertrauen! Ich finde es braucht schon ein gutes Stück Mut und Vertrauen auf die Technik, wenn man sich an ein in acht Meter Höhe gespanntes Drahtseil hängt, um 150 Meter durch die Luft zu fahren.

Man kann das Leben in gewisser Weise mit dem Klettern vergleichen. Die Hindernisse oder Überquerungen zwischen zwei Bäumen beim Klettern sind wie die Probleme und Aufgaben im Leben. Manche sind übersichtlich und leicht zu bewältigen, manche erfordern Mut, Kraft und Ausdauer. Die Überwindung mancher Ängste, oder auch nur des Beharrungsvermögens, sowie Vertrauen in sich selbst und die eigenen Fähigkeiten, gehören zu solchen schwierigen Aufgaben. Unter diesen Voraussetzungen werde ich beim Klettern wie im Leben Hindernisse meistern. Hindernisse oder eben Probleme, die sich wie eine unlösbare Aufgabe vor einen türmen, sorgen für Stolz und Freude nach deren Überwindung.

Aber was ist, wenn ich nicht nur an meine Grenzen stoße, was ja öfter geschieht, sondern ich diese auch nicht mehr überwinden kann. Wenn meine Kraft und auch die Technik nicht mehr weiterhelfen? Ich eben „in den Seilen hänge“. Worauf kann ich dann vertrauen? Was oder wer hilft mir dann weiter?

Egal worauf ich dann vertraue, ich bin immer gezwungen mich auf etwas einzulassen. Als gläubiger Mensch vertraue ich auf Gott. Ich vertraue darauf, dass er mich so wie ich bin annimmt und mir, weil er mich liebt, helfen wird. Wie das geschieht? Da lasse ich mich überraschen. Vieles läuft nicht so, wie ich es mir vorstelle. Gott geht oft andere, nutzt andere Mittel, als ich sie mir denke. Dies gibt mir die nötige Gelassenheit mit dem Leben zu leben und nicht an den Ereignissen, die ich nicht ändern kann oder an denen meine Kraft zu Ende ist, zu verzweifeln.

Deswegen heißt Glauben ja auch nicht, nicht wissen sondern vertrauen.

Einen schönen Sonntag wünscht Ihnen:
Thomas v. Pavel, Berufsschulpfarrer in Iserlohn


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