Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Döner, Gyros, Pizza & Co.

Liebe Leserinnen und Leser!
Morgen feiern wir Erntedank. Ein uralter Brauch. Im englischen heißt dieser Tag: Thanks giving: Dank geben. Mir gefällt dieser Begriff besser, denn er begrenzt unseren Dank nicht schon von vornherein nur auf die Ernte.


Bärbel Vane
Dank geben
Ich erinnere mich noch, als bei uns in Brunsbüttel, eine Kleinstadt in Norddeutschland, die erste Pizzeria aufmachte. Neugierig wurde das Fremde erst mal von der anderen Straßenseite aus beäugt. Aber es half nichts, durch die weit geöffnete Eingangstür, wehte ein unbekannter aber appetitanregender Duft zu uns herüber. Spontan beschlossen meine Klassenkameradinnen und ich, allen Vorurteilen zum Trotz, am darauf folgenden Wochenende der Pizzeria ein Besuch abzustatten. Ein gut aussehnender, dunkelhaariger und freundlicher junger Mann begrüßte uns und bat uns Platz zu nehmen. Im zarten Alter von sechzehn Jahren kamen wir uns vor wie VIPs . Obwohl wir den Begriff zu der Zeit ja noch gar nicht kannten. Wir saßen an einem der vielen kleinen quadratischen Tischen mit rot weiß karierter  Stofftischdecke und grünen Servietten. In der Mitte des Tisches stand eine leere, bauchige Weinflasche und diente als Kerzenständer. Das herunter gelaufene Wachs der Kerze erinnerte an die Stalaktiten einer Tropfsteinhöhle. Und dann dieser köstliche Duft, der den ganzen Raum erfüllte. Wir nahmen ihn dann später in unseren langen Haaren noch mit nach Hause… Selbst heute noch, wenn ich eine Pizzeria betrete, löst dieser besondere Duft  ein Gefühl von Glück und Zufriedenheit in mir aus.
Dank geben
Heute, ein Tag vor Erntedank, möchte ich auf diesem Weg Dank geben: den Italiener, Jugoslawen, Griechen und Türken, die im letzten Jahrhundert  als Gastarbeiter zu uns nach Deutschland kamen. Neben ihrer Arbeitskraft bescherten sie uns Geschmackserlebnisse, die wir bis dato nicht kannten und die für uns heute so selbstverständlich geworden sind.
Und wie schön, dass sie bei uns in Deutschland geblieben sind, denn ich kann mir ein Leben ohne Döner, Gyros, Pizza & Co. gar nicht mehr vorstellen. Ich sage nur Pizza Taxi oder Döner Express am Samstag Abend !?
Dank geben
Mein nächster Dank sind Vorschusslorbeeren an unsere neuen Mitbürger aus Syrien und anderen arabischen und nordafrikanischen Ländern. Ich wünsche mir Restaurants, die uns den Geschmack der arabischen Küche näher bringen und lieben lehren. Ich weiß, das gibt es auch schon bei uns in den Großstädten, aber es soll für uns alltäglich werden! Hier in Menden und überall in Deutschland. Ich wünsche mir, dass sie mit ihren Talenten unsere Gesellschaft und unser Leben genau so bereichern wie es unsere ehemaligen Gastarbeiter aus dem Süden Europas  getan haben.
Und ich wünsche mir, dass wir respektvoll miteinander umgehen und uns kennen- und lieben lernen.
Dank geben
Zuletzt möchte ich allen Menschen danken, die sich in Menden und an anderen Orten in Deutschland für Flüchtlinge einsetzen. Sich ehrenamtlich oder hauptberuflich engagieren und dazu beitragen, dass unsere Land liebenswert und lebenswert bleibt!

Gott, sein Dank <3

Einen gesegneten Sonntag und viel Freude beim Danken
wünscht Bärbel Vane
Prädikantin in der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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