Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

Der gelegte Grund oder . . . einen anderen Grund kann keiner legen . . . (1Kor.3,11)

Am 31. Oktober eines jeden Jahres feiert die evangelische Christenheit Reformationsfest. In zwei Jahren, 2017, wird es ein großes Jubiläum geben, nämlich 500 Jahre seit Beginn der Reformation (1517 – 2017). Das gibt Anlass, sich mit der Reformation und ihren Folgen kurz zu beschäftigen. Als Martin Luther, der katholischer Mönch und Universitätsprofessor in Wittenberg war, am 31. Oktober 1517 seine 95 Thesen an die Türe der Schlosskirche in Wittenberg anbrachte, wollte er damit keineswegs eine Spaltung der damaligen Kirche hervorrufen. Er wollte zu einer Disputation (heute würde man sagen, zu einer Diskussion, einer Auseinandersetzung) über die Zustände in der damaligen Kirche, im Zusammenhang mit dem Ablasshandel auffordern. Er wollte eben "reformieren", rütteln, schütteln, aufdecken, zurückführen, zu den Ursprüngen, zu den Quellen.


Hans D. Daubner,
Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Menden
Da nun kommt der Grund ins Spiel. Es ist eigentlich ein vierfacher, wobei e i n Grund dominiert: "Einen andern Grund kann keiner legen, als der, der gelegt ist, welcher ist Christus." (1Kor.3,11) . Das ist das Eigentliche und zugleich Verbindende bis heute geblieben. Dazu kommen noch weiter drei "Gründe": Schrift, Gaube, Gnade. Die Beachtung dieser Prinzipien führt nach Auffassung des Reformators M. Luther zur Seligkeit. Diese Seligkeit hat etwas mit Befreiung, Neu-werden, Anders-werden zu tun. Neuwerden, Anderswerden in der Nähe Gottes- darin besteht bis heute die Aktualität der Reformation. Man könnte sie zusammenfassen unter die Stichworte: Befreiung, Unmittelbarkeit und Teilhabe.

Die EKD (Evangelische Kirche von Deutschland) versucht in den Planungen für 2017, diese Aktualität herauszuarbeiten: Großes Christusfest, ökumenischer Pilgerweg nach Israel/Jerusalem bis hin zu einem Fest der Kreuzeserhöhung am 14.09.2017. Die EKvW (Evangelische Kirche von Westfalen) mit ihren Kirchenkreisen und Gemeinden versucht Ähnliches, etwa der Kirchenkreis Iserlohn unter der Überschrift "12 Schritte". Die Angebote reichen von Gottesdienstreihen, Kinderbibeltage und Frauenmahl bis zu Gesprächen am Kamin oder dem Thema "Flucht in der Bibel". In all dem geht es nicht nur um Feiern und Gedenken, auch nicht nur um Spurensuche, sondern vor allem um die Frage, was Reformation heute bedeutet und wie sich "reformatorische Erkenntnisse" heute umsetzen lassen.

Auch hier kann übergemeindlich Bezug genommen werden etwa auf die einzelnen Jahresthemen als Hinführung zum Jubiläum 2017: Reformation und Musik (2012), Reformation und Toleranz (2013), Reformation und Politik (2014), Reformation. Bibel. Bild (2015) und Reformation und die eine Welt (2016). Es kann aber eben so gut gefragt werden, was wir hier vor Ort diesbezüglich tun. Da sind zum einen die Studienfahrten (2012 und 2015) der ev. Kirchengemeinde Menden "Auf den Spuren von Martin Luther" zu nennen. Zum Andern aber auch das Begehen des Reformationstages seit etlichen Jahren in nun schon bald ökumenischer Tradition, sowie vom ökumenischen Konveniat Menden geplante unterschiedliche Veranstaltungen, wie z.B. zum Thema "Sterbebegleitung als Hilfe zum Leben" am 12. und 19. November 2015. "Einen andern Grund kann keiner legen . . . " Bleibende Grundwerte wie sie zu finden sind in der Bibel, können nicht erzwungen werden. Wir dürfen sie uns aber, immer wieder schenken lassen. Sie empfangen aus der Gnade und Barmherzigkeit Gottes und versuchen, im Miteinander umzusetzen. In diesem Sinne wünsche ich Ihnen, liebe Leserin und Leser, einen besinnlichen Reformationstag und einen schönen Sonntag,

Ihr Hans D. Daubner
Pfarrer der evangelischen Kirchengemeinde Menden


Link-Pfeil Archiv Geistliches Wort