Evangelische Kirchengemeinde Menden – Wort zum Sonntag


Gottgegeben

Liebe Leserin, lieber Leser,
ein voller ICE auf der Fahrt nach Berlin. Ich höre Wortfetzen: "Sie haben keinen gültigen Fahrschein. – Wir müssen Sie der Polizei übergeben." Ich blicke mich um. Schaffner reden auf einen jungen Nordafrikaner ein, der offensichtlich kein Geld bei sich hat. Das Geschehen geht mir nahe. Bevor ich reagieren kann, höre ich eine Frauenstimme: "Ich zahle für den jungen Herrn." Die Fahrkarte kostet 130 Euro. Als sich die Helferin auf ihren Platz setzt, kann ich nicht anders: ich danke ihr und gebe ihr wenigstens den Rest Bargeld aus meinem Portemonnaie. Sie ist überrascht und zu Tränen gerührt, als viele andere Reisende es mir gleichtun. Durch ihre Courage hat diese Frau uns ein großes Geschenk gemacht: sie hat uns gezeigt, wie einfach das Gute ist.


Ellen Gradtke
Eine Freundin hat diese kurze Geschichte auf ihrer Facebook-Seite gepostet. Ob die Geschichte so wirklich passiert ist, weiß ich nicht und ich habe keine Ahnung wie es weitergegangen ist mit dem jungen Mann im Zug. Vielleicht ist das ja alles nur fiktiv, ein Wunsch-traum von einer besseren Welt? Aber stellen wir uns nur einmal vor, diese Geschichte wäre wahr, wäre das nicht wunderbar, wie ein modernes Wunder? Und würden alle so handeln – was für eine schöne Welt hätten wir, was für ein gutes Miteinander! Sofort fallen mir Begriffe wie Barmherzigkeit und Solidarität ein und als Pfarrerin höre ich in meinem inneren Ohr einen Bibeltext aus dem Matthäus-Evangelium: Was ihr getan habt einem von diesen meinen geringsten Brüdern, das habt ihr mir getan. (Mt 25,40)

In diesem Gleichnis spricht Jesus zu seinen Jüngern und erklärt ihnen, dass Gott wie in Hirte beim Weltgericht die "guten Schäfchen" von den "bösen Böcken" trennen wird. Zu denen, die gesegnet werden, sagt er dann: "Denn ich bin hungrig gewesen, und ihr habt mich gespeist. Ich bin durstig gewesen, und ihr habt mich getränkt. Ich bin Gast gewesen, und ihr habt mich beherbergt..." Hier werden offensichtlich die belohnt, die einem anderen in einer schwierigen Situation geholfen haben, die einen Blick für ihre Mitmenschen haben, die merken, wenn andere in Not sind. Einige Interpreten dieses Bibeltextes sagen es so: Jesus identifiziert sich mit dem geringsten seiner Brüder. Er lässt sich finden in den Schwachen und Verlorenen, in den Hungernden und Armen. Diejenigen, die uneigennützig geben, handeln also an Gott selbst und dieser schenkt es ihnen hundertfältig zurück. So wird unser Geben zum unverdienten Bekommen der Gaben Gottes.

Zurück zur unserer Geschichte: jetzt habe ich drei Optionen: Ich kann "gefällt mir" klicken, einen Kommentar schreiben oder den Beitrag mit anderen teilen. Nachdem ich länger über den Text und seine Bedeutung nachgedacht habe, beschließe ich alles drei zu tun. Gefällt Ihnen die Geschichte auch? Ein paar Klicks habe ich schon auf meiner Facebook-Seite.

Ellen Gradtke
Berufsschulpfarrerin aus Menden


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