Evangelische Kirchengemeinde Menden - Wort zum Sonntag


Wort zum Sonntag

Die Tür ist verschlossen und kann nur von außen geöffnet werden!

Liebe Leserinnen und Leser,
mit dem Ersten Advent geht das alte Kirchenjahr zu Ende, ein neues beginnt. Das Kirchenjahr, von dem wir heute – Samstag – Abschied nehmen, hat auch etwas Tückisches. Es suggeriert uns, alles ginge immer so weiter: ein ewiger Kreislauf von Herbst und Winter, Frühling und Sommer. Wie im Kinderlied: "Alle Jahre wieder kommt das Christuskind". Ja, die Adventszeit kommt immer wieder, die Natur lebt im Kreislauf und erneuert sich – mehr oder weniger – alle Jahre wieder, – aber wir leben in der Geschichte. Der Tag des Weihnachtsfestes mag vorerst immer wieder kommen, die Tage nach Weihnachten werden wieder länger, aber die Zahl unserer Jahre wird immer kürzer. Unser Leben verläuft nicht im Kreis, sondern unser Leben hat ein Ziel.


Pfarrer Frank Fiedler
Pfarrer der ev. Kirchengemeinde Menden
Im November 1943 schrieb Dietrich Bonhoeffer aus dem Gefängnis: "So eine Gefängniszelle ist übrigens ein ganz guter Vergleich für die Adventssituation; man wartet, hofft, tut dies und jenes letzten Endes Nebensächliches die Tür ist verschlossen und kann nur von außen geöffnet werden!"

Advent heißt, - gegen diesen Kreislauf des immer Gleichen: Unser Leben hat ein Ziel. Gott wird kommen, seine Erde zu verwandeln. "Siehe, ich mache alles neu". In der Adventszeit erinnern wir uns, ja stärken wir uns mit der Verheißung: Diese Wahrheit ist im Kommen. Und das bedeutet: Keine gute Tat unsererseits ist vergeblich! Es kommt Bewegung in die alltägliche Wirklichkeit. Bewegung vom Himmel her. Bewegung, die heute schon viele Menschen erfasst, Bewegung, die zuletzt die Welt verändert.

Im Advent werden wir darauf vorbereitet. Wir erwarten ihn, den Herrn Jesus Christus. Und wir geben der Zeit ein neues Gesicht. Kerzen leuchten auf, die Zimmer werden geschmückt, Weihnachten kommt in Sicht. So singen wir die Ad¬ventslieder. So hören wir die Geschich¬te vom Einzug Jesu in Jerusalem: "Siehe dein König kommt zu dir, ein Gerechter und ein Helfer." — Eine tiefe Sehnsucht in uns wird angesprochen. Unser Blick richtet sich nach vorn, auch wenn Erinnerungen an frühere Jahre lebendig werden. Auch wir dürfen die Adventszeit als Beschenkte und Begnadete erfahren, freundlich gegrüßt wie Maria, der ein Engel die Geburt des Heilands angekündigt: "Sei gegrüßt, du Begnadete, der Herr ist mir Dir!" Wir sind mitgemeint. Darum feiern wir Advent. In der Hoffnung, dass Er, der einst kam, auch wiederkommen wird, seine Erde zu verwandeln.

Einen schönen ersten Adventssonntag wünscht
Frank Fiedler, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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