Wort zum Sonntag


Und Friede auf Erden

Die Hirten auf  dem  Feld, denen der Engel erscheint, das neugeborene Kind in der Krippe, Maria und Josef als glückliche Eltern daneben, die drei Weisen aus dem Morgenland, die die Geschenke überbringen – so haben viele die biblische Weihnachtsgeschichte in Erinnerung: Friede, Freude und ganz viel Lichterglanz. Doch die Idylle trügt. Denn schon damals war es nicht gerade friedlich in Bethlehem und  Umgebung: Gewalt und Willkür waren an der Tageordnung – es herrschte kein Friede im heutigen Grenzgebiet von Israel Palästina.

Ellen Gradtke
Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin aus Menden
Zur Zeit Jesus gab es zwar noch keine Bomben und Panzer, aber den römischen Kaiser Augustus, der eine Volkszählung  befohlen hatte. Josef musste  also mit der schwangeren Maria in seine Heimatstadt ziehen, ein äußerst beschwerlicher Weg vom galiläischen Nazareth ins jüdische Galiläa.  Hierbei ging es, wie so oft, um das liebe Geld, um die Festsetzung neuer Steuern. Keine Frau würde sich heutzutage solchen Strapazen und der Möglichkeit aussetzen, ihr Baby in einem Stall zwischen Tieren gebären zu müssen.

Noch schlimmer war aber der König Herodes, der so um seine Herrschaft fürchtete, dass er alle neugeborenen Kinder männlichen Geschlechts ermorden ließ. Daraufhin hörte man in Bethlehem und Umgebung ein großes Geschrei, Weinen und Wehklagen, so berichtet die Bibel. Diese Szene wird zu Weihnachten aber gerne ausgeblendet; auch damals war kein Frieden weit und breit, weder vor noch nach Jesu Geburt.

Und das ist bis heute im Westjordanland so geblieben: In den Nachrichten werden ständig Zusammenstöße zwischen  Demonstranten und  Sicherheits­kräften gemeldet, Jugendliche werfen Steine und werden mit  Tränengas und Blendgranaten in Schach gehalten. Autobomben detonieren auf beiden Seiten der Grenze zwischen Palästina und Israel. Dennoch werden dort auch heute Kinder geboren: jüdische, christliche und muslimische. Genau wie dem Jesuskind steht ihnen eine ungewisse und womöglich keine friedliche Zukunft bevor.  

Mit jedem neuen Kind, mit jedem neuen Jahr, mit jedem Weihnachtsfest bleibt aber die Hoffnung dass es Frieden wird auf Erden. In seiner berühmten Bergpredigt sagte Jesus: „Selig sind die, die Frieden stiften; denn sie werden Gottes Kinder heißen.“ (Mt,5,9) Wann endlich werden wir Menschen verstehen, dass wir etwas dafür tun müssen, etwas ändern müssen, damit es Frieden gibt? Dass wir uns vertragen sollten, toleranter sein könnten, den anderen ihre Rechte zugestehen und vielleicht auch mal zurückstecken müssen um des lieben Friedens Willen.Wie viele Generationen werden wir noch brauchen bis wir ihn endlich erreicht haben, den Frieden auf Erden?

In diesem Sinne: ein frohes und friedliches Miteinander am Weihnachtsfest wünscht Ihnen allen
Ellen Gradtke
Berufsschulpfarrerin aus Menden


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