Andacht


Ihr seid mir lästig und zertrampelt mir den Tempel!

„Ich bin satt der Brandopfer von Widdern und des Fettes von Mastkälbern“, spricht Gott. „Eure Feste und Versammlungen sind mir tief verhasst! Ihr seid mir lästig und zertrampelt mir den Tempel ... Und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht!“ – So richtete es der Prophet Jesaja (Kap. 1) dem Volk Israel aus.

Pfarrer Frank Fiedler
Pfarrer Frank Fiedler
Gott hatte sein Volk aus Ägypten befreit, und man sollte es seinem Volk ansehen können, was es heißt, als befreite Menschen miteinander zu leben! Doch da gibt es Reiche und Arme, Mächtige und Ohnmächtige. Einige können es sich leisten, mit kostspieligen Opfern ihre eigene Frömmigkeit zu zelebrieren. Statt den Armen zu helfen, dass sie ihre Würde als Kinder Gottes nicht ganz verlieren, stoßen sie diese noch tiefer in die Abhängigkeit. So wird Gott, der doch immer Partei ergriffen hat für die Armen und Benachteiligten, so wird Gott in seinem eigenen Volk zu einem Gott der Reichen gemacht. Er, der alles Leben miteinander verbinden will, muss es sich gefallen lassen, dass er jetzt für Trennungen und Gräben missbraucht wird.

Könnte Gott auch zu uns sagen: Ihr reißt auseinander, was zusammengehört: Den Glauben und das Tun, die Frömmigkeit und die Gerechtigkeit, den Sonntag und den Alltag! Und indem Ihr das tut, zerstört Ihr gleichzeitig auch die Zusammengehörigkeit unter den Menschen.

Es gibt immer mehr Menschen, die leben an oder unter der Armutsgrenze. Gleichzeitig übertrifft das Angebot an Luxusgütern, wie sie jetzt in den Schaufenstern zu sehen sind, die kühnsten Träume jeder früheren Generation. All diese Güter werden bei uns umgesetzt, ge- und verkauft.

Es ist eine traurige Ironie: Viele Menschen in unserem Land haben das Gefühl, gerade so eben zurechtzukommen. Menschen, die mehr materielle Güter haben, als es je zuvor in der Weltgeschichte gab, bringen einen Teil ihrer Zeit mit der Sorge zu, nicht genug zu haben.

Es gibt einen sarkastischen Spruch, der in unsere Zeit passt: „Wenn jeder sich selbst hilft, dann ist allen geholfen.“ Dann ist eben noch nicht allen geholfen, denn viele können sich nicht selbst helfen und sind auf Andere angewiesen. Die frömmere Variante dieses Spruches lautet: „Hilf dir selbst, dann hilft dir Gott.“ Aber auch dadurch ist dem Schwachen nicht geholfen. Jesaja ruft: „Eure Feste und Versammlungen sind mir tief verhasst! Ihr seid mir lästig und zertrampelt mir den Tempel... Und wenn ihr auch viel betet, höre ich euch doch nicht! - Lasst ab vom Bösen! Lernt Gutes tun!“
Jesaja meint solche Gottesdienste, die zwar ordentlich und feierlich verlaufen, aber in den Wänden der Kirche eingeschlossen bleiben.

Aber wir brauchen Gottesdienste, und zwar solche, in denen die Vergebung, die wir empfangen, weitergegeben wird und den Alltag verwandelt. Wir brauchen Gottesdienstes, in denen Gottes Wort eine Umkehr bewirkt und wir die falschen Wege verlassen. Wir brauchen Gottesdienste, in denen wir von den Fesseln all unserer großen und kleinen Fehler befreit werden und wir Mut zu einem neuem Leben bekommen.

Einen gesegneten Buß- und Bettag wünscht
Frank Fiedler, Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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