Wort zum Sonntag


In jeder Krise liegt ein Neuanfang

Manchmal ist „der Wurm drin“ – da klappt einfach nichts. Die Kündigung flattert unerwartet ins Haus oder der lang geplante und ersehnte Urlaub muss plötzlich abgesagt werden. Viele Schülerinnen und Schüler haben die Versetzung in die nächste Klasse nicht geschafft und müssen das Schuljahr wiederholen oder gar die Schule ohne Abschluss verlassen.

Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin
Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin
Die Bewerbungsunterlagen kommen mit negativem Ergebnis zurück, und alles läuft plötzlich anders, als man es sich erträumt hat. Eine schwere Krankheit oder ein Todesfall in der Familie lässt die Planungen für die Zukunft platzen. Und nun? Dann stehen wir da: enttäuscht, resigniert und vielleicht auch ein wenig wütend, auf uns selbst oder auf andere, die wir dafür verantwortlich machen, dass das Leben nicht so geradlinig verläuft wie wir das wollten.

Manchmal ist „der Wurm“ dann auch ein Zeichen – vielleicht sollten wir aufgehalten werden und auf unserem Weg einmal innehalten. Es kann sogar bedeuten, dass wir einen ganz anderen Weg einschlagen, als wir es beabsichtigt hatten. Ein Schüler vom Berufskolleg sagte zu mir: „Wissen Sie, als der Arzt sagte, dass meine Fußballkarriere nach dieser Verletzung wohl zu Ende sei, dachte ich erst, die Welt hätte aufgehört, sich zu drehen. Aber dann hatte ich im Krankenhaus viel Zeit zum Nachdenken und jetzt bin ich wieder an der Schule und mache mein Fachabitur und will dann studieren. Und inzwischen bin ich überzeugt, dass das der bessere Weg für mich ist als eine unsichere Laufbahn als Fußballer. Mein Leben ist vielseitiger und interessanter geworden.“

In einer Krise mache ich viele neue Erfahrungen, auch mit mir selber. Und Erfahrung ist nicht das, was einem passiert, sondern vielmehr das, was ich mit dem tue, was mir passiert. Womöglich muss ich mich aufmachen, gewohnte Lebensbedingungen verlassen und mich öffnen für Neues. Das, was ich für mich und mein Leben geplant hatte,  geht nun mal nicht – aber was nun? Nichts ist ohne Grund  - in jeder Krise liegt ein Neuanfang: aufbrechen, neue Wege suchen und gehen und sich dabei von Gott begleitet wissen. Gerade dann, wenn es nicht weitergeht, wenn wir feststecken, wenn wir keinen Ausweg sehen, wenn uns niemand weiterhelfen kann, können wir auf Gott vertrauen.

Wenn ich mich mit dem Erlebten auseinandersetze und die neuen Erfahrungen mit den alten Erfahrungen vergleiche, kann ich sie vielleicht anders deuten. Sie können ein Wegweiser für mich werden. Da stellen sich viele Fragen: Was ist mein Weg und wohin wird er mich führen? Was ist der Sinn meines Daseins? Wozu  lebe ich und brauche ich dazu Gott?
In den Psalmen heißt es dazu: „Leg dein Schicksal in  Gottes Hand; verlass dich auf ihn, er macht es richtig.“ (Link-Pfeil Psalm 37,5)

Auch wenn wir Gottes Dasein vielleicht nicht beweisen können, so können wir seine Gegenwart aber erfahren in ganz persönlichen Erlebnissen und Begegnungen. Was gibt mir neue Hoffnung und neuen Lebensmut? Wer oder was trägt mich in schwierigen Situationen? Wer zeigt mir das Licht am Ende des Tunnels? Die Bibel stellt uns als Vorbilder des Glaubens nie perfekte und fehlerlose Menschen vor Augen, sondern gerade Menschen, die einen langen Weg zu Gott hatten, die eine schwere Schuld auf sich geladen haben, die verzweifelt oder verlassen waren. Sie haben ihr Schicksal in Gottes Hand gelegt und es nicht bereut.

Gott hat ihre Wege gelenkt; auf ihn konnten sie sich in der Not verlassen. In jeder Krise liegt ein Neuanfang -  der Wegweiser zu einem anderen, bewussteren Leben.

Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin aus Menden


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