Wort zum Sonntag


Himmelfahrt

Als Kind hat es mich immer fasziniert, die ziehenden Wolken zu betrachten und in ihnen Bilder zu entdecken. Flüchtige Wolkenbilder, die wandelbar schienen, nah und doch so fern. Im weiten Blau sah ich über mir Figuren und Formen auseinanderfließen und ineinander driften, sichtbar und doch nicht fassbar.

Kerstin Buchbinder
Kerstin Buchbinder
Prädikantin der Evangelischen Kirchengemeinde Menden
So geht es uns oft mit Dingen, die kaum begreifbar scheinen, die unseren Verstand herausfordern und  sich letztlich doch unserer Vorstellungskraft entziehen. Das Bild der Wolke rettet uns in manchen Textstellen der Bibel über die Schwelle des Nichtverstehens hinweg, wenn das Gesagte zu groß erscheint.

Wenn es gilt, sich die Größe und Allmacht Gottes vorzustellen, sie zu beschreiben oder gar zu erklären. So hören wir in Link-Pfeil Exodus 13.21, „dass der Herr seinem Volk durch die Wüste voranging, um ihm den Weg zu zeigen, bei Tage in einer Wolkensäule, bei Nacht als Feuersäule, um ihm zu leuchten.“

Die Wolkensäule macht die verhüllende Gegenwart Gottes sichtbar. Und so feiern wir 40 Tage nach Ostern mit allen christlichen Kirchen des Erdkreises das Fest der Himmelfahrt, denn die Aussage dieses Tages gehört zum Inhalt des Osterfestes dazu. Auch Jesu Himmelfahrt auf einer Wolke kennzeichnet die unmittelbare Aufnahme in den Bereich Gottes. Der Auferstandene ist nun den Blicken der Menschen entzogen und sein Wirken in dieser Welt wird nur auf verhüllende Weise erkennbar sein.

Die Himmelfahrt Christi beschließt nicht nur das Ende des irdischen Leben Jesu, der sich segnend von seinen Jüngern verabschiedet. Sie markiert auch gleichzeitig einen neuen Anfang mit der Aussendung der Jünger, Gottes Wort in die Welt zu tragen. Jesus sichert seinen Jüngern die Geistgabe an Pfingsten zu.  Dies ist die Geburtsstunde der Kirche.

Noch aber fehlt den Jüngern die Kraft, die Vater, Sohn und Zeugen verbindet und ihre Botschaft autorisiert. Sie müssen auf Pfingsten warten. Dennoch sollen sie nicht untätig bleiben und in ihrem Staunen verharren. „Und als sie ihm nachsahen, wie er gen Himmel fuhr, siehe da standen bei ihnen zwei Männer in weißen Gewändern. Die sagten: Ihr Männer aus Galiläa, was steht ihr da uns seht zum Himmel? Dieser Jesus, der von euch weg gen Himmel aufgenommen wurde, wird so wiederkommen, wie ihr ihn habt gen Himmel fahren sehen.“ (Link-Pfeil Apg. 1, 10-11)

Die Engel mahnen die Jünger über den Blick in den Himmel die Erde nicht zu vergessen, um Jesus hier zu bezeugen. Denn dieser, unserer Erde, hat Jesus seinen Geist hinterlassen. Hier sollen wir für das Reich Gottes wirken, bis er wiederkommt, wie er es versprochen hat.

Wenn man mit dem Flugzeug beim Landeanflug in die Wolken eintaucht scheint es, als sei man kurzfristig erblindet. Die Wolken nehmen einem die Sicht auf die Dinge. Erst wenn man diese Schicht durchbrochen hat, kann man schlagartig wieder alles genau erkennen. Klar und deutlich zeichnet sich sie Landschaft unter uns ab. So sollen wir Gott auch nicht in den Wolken suchen. Sie stehen nur als Zeichen seiner Macht und Herrlichkeit.

Es gilt den Blick ins Hier und Jetzt zu richten um dem Auftrag, der an uns ergangen ist, gerecht zu werden. Sein Wort auszubreiten und die Menschen für die „Frohe Botschaft“ zu begeistern. Dann werden wir IHM hier auf Erden in unserem Nächsten begegnen. Jesus Himmelfahrt bedeutet für uns: Wir gehen auf Gott zu.

Kerstin Buchbinder
Prädikantin der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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