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Andacht Christi Himmelfahrt

„…damit sie alle eins seien“

Liebe Leserinnen und Leser, Pfarrer Frank Fiedler
Pfarrer Frank Fiedler

Christi Himmelfahrt ist auch ein Abschied! Zuvor war Jesus mit seinen Jüngern zusammen, war mit ihnen unterwegs, aß und trank mit ihnen, und wenn er sprach, war er zum Greifen nahe. Das alles würde einmal vorbei sein. Er wird nicht mehr da sein. Und das nicht nur wegen seines Todes. Nein, selbst die Auferstehung ändert nichts daran, dass Jesus von seinen Jüngern Abschied nehmen muss.

Als guter Freund und Lehrer bereitet Jesus seine Jünger darauf vor. Er hat ihnen schon manches gesagt, nun, am Ende, im Gebet mit seinem Vater, betet Jesus für seine Jünger. „Ich bitte aber nicht allein für sie, sondern auch für die, die durch ihr Wort an mich glauben werden, damit sie alle eins seien“ (Johannes 17,20.21). Jesus betet um das Einssein seiner Jünger, seiner weltweiten Gemeinde. Es ist eine Bitte an Gott, es ist nicht Gebot oder Mahnung. Und kann es wohl auch nicht sein. Denn das Einssein der Seinen, um das Jesus den Vater bittet, kann wohl nicht von uns gemacht werden.

Unsere Geschichte scheint eine einzige große Zerreißprobe in allen menschlichen Beziehungen zu sein: zwischen den Geschlechtern, in Ehen und Freundschaften, zwischen den Generationen, gesellschaftlichen Gruppen, Eingeborenen und Fremden, Völkern, Sprachen, Reichen und Armen, zwischen Leib und Seele, Buchstaben und Geist, uns Menschen und Gott: Deutlich auch in der Zerrissenheit zwischen Israel und den Völkern.

Gott selbst zerreißt es das Herz darüber. Er will doch, dass alle eins seien, und lässt sich von Jesus darum bitten – dieses Einssein haben wir noch vor uns. Es ist in der Lebensgemeinschaft zwischen Gott und Jesus schon da. Aber es ist dort erst stellvertretend da, als Teil fürs Ganze – als Teil anstatt des Ganzen.

Diese Lebensgemeinschaft dürfen wir erwarten. Freilich wird es, wenn es dazu kommt, ein schmerzhafter Prozess sein. Es tut weniger weh, auseinanderzugehen und sich zu zerreißen, als wieder zusammen­zufinden. Sünde schmerzt weniger als ihre Vergebung. Sich krank machen geht leicht, gesund werden zuweilen über die verbliebenen Kräfte.

Jesus, der Lehrer, legt Fürbitte ein für seine Schüler. Gott und seine Menschen müssen noch viel weiter aufeinander zukommen, darum betet Jesus. Für eine Gemeinschaft, die Beziehung zu Gott einschließt, ja, von Gott versammelt, geleitet und erfreut ist.

Jesus nimmt Abschied. Und er lässt die Seinen mit einer großen Verheißung zurück: Gott und Welt kommen aufeinander zu. Die christliche Gemeinde weiß darum, und sie darf es vor der Welt bezeugen: Damit „die Welt erkenne, dass du mich gesandt hast und sie liebst, wie du mich liebst.“

Am Christi Himmelfahrtstag und am kommenden Sonntag bedenken die Evangelische und die Katholische Kirche diese Worte Jesu. Es ist unsere Welt, unsere Stadt, die Gott in ihrer Weltlichkeit liebt und in der die Kirche ist, damit dann und wann einer das merkt.

Ihr Frank Fiedler


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