Wort zum Sonntag


Voll Wert oder Ich seh' etwas, was du nicht siehst"

Wann haben Sie dieses Spiel zuletzt gespielt? Bei mir ist das noch gar nicht so lange her. Vor ein paar Wochen nach dem Kindergottesdienst, als wir „Kleinen" ausnahmsweise mal eher fertig waren als die „Großen" im Gottesdienst. Und jedes Mal, wenn ich dieses Spiel nur mit Kindern spiele, erstaunt es mich, was die Kinder so alles sehen und wahrnehmen.

Bärbel Vane
Bärbel Vane - Prädikantin in der
Evangelischen Kirchengemeinde Menden
Als Kind war ich auch ganz gut darin, aber jetzt, als Erwachsene, muss ich doch feststellen, dass Kinder weit besser sehen können als ich. Und das liegt bestimmt nicht nur daran, dass ich jetzt eine Brille tragen muss. Kinder haben einfach eine andere Sichtweise: Von unten herauf - sie sehen alles aus einer anderen Perspektive und sie blicken irgendwie tiefer.

Kinder haben einfach den besseren Durchblick. Und das bezieht sich nicht nur auf das "Ich seh etwas, was du nicht siehst" Spiel. Kinder sprechen alles ganz offen und ehrlich an und lassen sich nicht von Äußerlichkeiten ablenken oder beeindrucken. Ich bin allerdings fest davon überzeugt, dass GOTT uns allen dieses besondere Talent mit in die Wiege gelegt hat, nur, dass es uns im Laufe des Erwachsenwerdens verloren geht.

„Ich seh' etwas, was du nicht siehst", sagt Jesus zu uns.

Wir sehen den gewaltbereiten Jugendlichen am Bahnhof, der bei der kleinsten Provokation ausrastet.
Jesus sieht den Jugendlichen, wie er zuhause regelmäßig vom gewalttätigen Vater verprügelt wird.
Wir sehen den Obdachlosen morgens bei Rewe an der Kasse stehen, wie er sich mit Alkohol eindeckt für einen neuen Tag.
Jesus sieht den Mann am Bett seiner sterbenden Frau stehen, wie er gemeinsam mit ihr die letzten Lebensminuten verbringt.
Wir sehen die alkoholisierte Frau zusammen mit Obdachlosen bei der Heilig-Geist-Kirche, auf einer Bank sitzen.
Jesus sieht die Frau als junges Mädchen, wie sie nachts auf ihrem Bett sitzt, weint und nicht einschlafen kann, weil ihr Vater mal wieder so lieb zu ihr war.

Wir sehen, mal vorsichtig ausgedrückt, sozial schwache Menschen. Was wir uns manchmal noch dabei denken… Doch GOTT sei Dank, können wir, wenn wir es wirklich wollen, von Jesus das richtige Hinsehen neu erlernen. Die Bibel gibt uns da Hilfestellung. In ihren Schriften können wir nachlesen, wie Jesus gelebt hat und was er uns Menschen vorgelebt hat. Und wenn wir uns dann Jesus zum Vorbild nehmen, lernen wir richtig hinzusehen. Denn dann sehen und erkennen auch wir in dem Obdachlosen einen Menschen, der voll Wert ist, weil GOTT ihn ansieht und ihm zuspricht:

Weil Du in meinen Augen so wert geachtet und auch herrlich bist und weil ich dich lieb habe.
Jesaja 43,4


Diese bedingungslose Liebe zu uns Menschen, spiegelt auch ein Text von Antje Sabine Naegeli wider:
Du Mensch, wer du auch immer sein magst in Deinen Augen und in den Augen der anderen Menschen: GOTT sieht Dich an und hat Dich lieb: Und darum bist Du zuallererst ein angesehener Mensch!

Ich wünsche uns allen einen gesegneten Sonntag und einen guten Start in die neue Woche.

Ihre Bärbel Vane
Prädikantin in der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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