Wort zum Sonntag


Der Aufstand des Auferstandenen

„Als aber der Sabbat vorüber war und der erste Tag der Woche anbrach, kamen Maria von Magdala und die andere Maria, um nach dem Grab zu sehen. Und siehe, es geschah ein großes Erdbeben. Denn der Engel des Herrn kam vom Himmel herab, trat hinzu und wälzte den Stein weg und setzte sich darauf. Seine Gestalt war wie der Blitz und sein Gewand weiß wie der Schnee. Die Wachen aber erschraken aus Furcht vor ihm und wurden, als wären sie tot. Aber der Engel sprach zu den Frauen: Fürchtet euch nicht! Ich weiß, dass ihr Jesus, den Gekreuzigten, sucht. Er ist nicht hier; er ist auferstanden.“ (Matthäus 28)

Pfarrer Frank Fiedler
Pfarrer Frank Fiedler
Maria von Magdala und die andere Maria haben sich auf den Weg gemacht, obwohl ihnen gerade erst der Boden unter ihren Füßen weggezogen wurde. Denn sie kommen von Golgatha. Sie haben das große Karfreitagsbeben hinter sich. Es war aber nicht jenes Erdbeben, das sie derart erschüttert hat, sondern der Tod Jesu. Mit seiner Hinrichtung zerbrachen ihreHoffnungen, ihre neu durch Jesus gewonnene Sehn­sucht, ihr Mut und ihr Lebenssinn. Eine Welt stürzte ein. Auch für die beiden.

So wie noch immer Welten einstürzen, wenn Hoffnungen sterben und Lebensperspektiven zerstört werden. Der Aufstand Gottes gegen die alten Mächte der Finsternis und des Todes, die alles Le­ben ersterben lassen, der Aufstand Gottes gegen die alten Gesetze der Welt, gegen die Gesetze von Leistung, Opfer und Selbstbetrug, diese Revolution Gottes, die er in Jesus Christus angezettelt hat, scheint für immer auf Golgatha abgewehrt zu sein. Der Tod ist die größte Gegenrevolution!

Und von ihm sind die beiden Frauen nun wie magisch angezogen. Schweren Herzens gehen sie zum Grab, - und werden erneut erschüttert! Ein zweites Erdbeben geschieht; ein Beben allerdings, das sein Epizentrum nicht auf Erden hat, sondern im Himmel.

Ein Bote des Herrn kommt wie ein Blitz aus heiterem Himmel. Er fährt herab auf die Wächter des Todes und haut die Wachen regelrecht um. Und der Engel setzt noch eins drauf, nämlich sich selbst auf den Stein. Eigentlich springt er auf den Stein des Todes. Es ist eine Demonstration, die ihre Wirkung nicht verfehlt. Ja, es ist zum Lachen, aber nicht zum Totlachen, es ist zum Osterlachen!  Gottes Geistesblitz vom Himmel verlacht den Tod und tritt ihn unter seine Füße. Der Gekreuzigte lebt, und die Mörder sind wie tot. Das Grab ist leer und ist es doch nicht: Denn der Tote lebt, und im Grab liegt nun der Tod selber.

Die große Gegenrevolution des Todes ist doch gescheitert. Der Aufstand des Auferstande­nenbehält die Oberhand, die verkehrte Welt des Todes steht Kopf, und die verheißene Welt des Lebens steht nun mit beiden Beinen mitten im Leben. Wir sagen: „Nichts ist so sicher wie der Tod“. Das muss nun angezweifelt werden. Der Osterzweifel darf ins Herz kommen, ein fröhlicher und respektloser Osterzweifel gegenüber der Herrschaft des Todes auf Erden, gegenüber der Hoffnungslosigkeit unseres Lebens, der Unabänderlichkeit des Weltlaufs, der Unbekanntheit und Ferne Gottes, der Überlegenheit der Macht über das Recht, der Unterworfen­heit der Wahrheit unter die Lüge.

Es ist ein fröhlicher und respektloser Osterzweifel gegen den kleinen und großen Tod. Die beiden Marias werden in eine Welt, die eben nicht von Gott verlassen ist, in einen Alltag, der doch von Ostern durchdrungen ist. Sie machen mit beim Aufstand des Auferstandenen.

Frohe Ostern wünscht Ihnen
Ihr Frank Fiedler
Pfarrer der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


Link-Pfeil Aktuelles aus unserer Gemeinde
Link-Pfeil Archiv 2012 Geistliches Wort
Link-Pfeil Archiv 2011 Geistliches Wort
Link-Pfeil Archiv 2010 Geistliches Wort