Wort zum Sonntag


Maskerade

Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin
Ellen Gradtke, Berufsschulpfarrerin
Als was gehen Sie in diesem Jahr? Als Pirat, Cowgirl oder Clown? Sie haben sich noch nicht entschieden und sind noch auf der Suche nach guten Ideen? Endlich mal sein zu können, was man gerne sein will und total verborgen hinter einer Maske, in einem Kostüm, mit verstellter Stimme mal so richtig auf den Putz hauen?

Viele lieben den Karneval gerade deshalb, weil das Verkleiden ein gutes Gefühl von Sicherheit und Stärke gibt. Niemand erkennt mich hinter meiner aufgesetzten Maske – da kann ich alles tun, ohne Konsequenzen. Die „tollen Tage" sagen wir dazu und meinen damit verrückte Tage, wo die normalen Regeln nicht mehr gelten. Trotzdem ist es ein Trugschluss. Ich bin auch in einer Verkleidung immer noch die, die ich bin. Ich bin diejenige oder derjenige hinter der Maske und nicht das, was die Maske vorgibt zu sein. Ich bin gar nicht der Clown, sondern oft traurig und gar nicht so lustig, und spätestens am Aschermittwoch holt einen die Wirklichkeit sehr schnell wieder ein.

Aber nicht nur am Karneval tragen wir Masken! Im Alltagsleben tragen wir auch oft eine Maskerade und wollen unser wahres Gesicht nicht zeigen. Oft spielen wir eine Rolle, oder werden in Rollen gezwängt, egal ob das in der Schule, im Beruf, in der Familie oder in der Freizeit ist. Manche schaffen das nicht und können ihre Gefühle nicht so gut hinter einer Maske verbergen. Diese werden als Weichei, als Versager, als „nicht belastbar" abgestempelt. Die Alltagsmaske dient uns als Schutz, weil wir nicht als offenes Buch herumlaufen und uns verletzlich zeigen wollen.

Viele haben im Berufsleben gelernt, sich anders zu geben als sie tat-sächlich sind – bloß keine Schwächen zeigen, das macht angreifbar! Dahinter steckt die Angst, abgelehnt zu werden, unser wahres Gesicht zu verlieren. Und so kann man auch im Freundes- und Bekanntenkreis andere täuschen, sodass sie ein ganz anderes Bild von mir haben, als ich eigentlich bin. Ich gebe mich vielleicht selbstbewusst, freundlich und angepasst, dabei bin ich innerlich ganz unsicher, mag meine Gesprächspartner überhaupt nicht leiden und habe insgeheim eine ganz andere Meinung als die, die ich nach außen vertrete.

In der Bibel, im Alten Testament, heißt es: „Die Menschen sehen was vor Augen ist, der Herr aber sieht das Herz an." (1.Samuel 16,7) Gott schaut hinter die Fassade. Er schaut unser Herz an. Das ist der Unterschied, denn ihm brauchen nichts vormachen und vor Gott brauchen wir auch keine Masken mehr. Denn Gott kennt unser wahres Gesicht – wir brauchen also keine Angst davor zu haben, unsere Gefühle zu zeigen, wir brauchen unsere Tränen nicht zu verbergen und unsere Freude nicht zu verstecken. Sogar unsere Schwächen dürfen wir zugeben und unser eigenes Gesicht sehen lassen.

Und dann werden wir merken: Ich bin wieder ich selbst: mal traurig, mal fröhlich, mal lachend, mal weinend, vielleicht ungeschützt, aber echt und einmalig und unverwechselbar - ein Geschöpf Gottes.

Herzlich Ihre Ellen Gradtke,
Berufsschulpfarrerin aus Menden


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