Wort zum Sonntag


Gottes Güte und Erbarmen gilt allen Menschen

Pfarrer Hans D. Daubner
Pfarrer Hans D. Daubner
„Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig; voll Erbarmen durchwaltest du das All.“(Weish. 15,11)

En sonderbarere Spruch? Oder ein alltäglicher Spruch? So könnte man nach dem ersten Lesen fragen. Wer dem Ursprung dieser Worte nachgehen möchte, könnte Schwierigkeiten bekommen, stehen sie doch im Buch der Weisheit, das wiederum nicht in jeder Bibelausgabe zu finden ist. Das Buch der Weisheit gehört zu den griechisch abgefassten Apokryphen (auch Spätschriften des Neuen Testaments genannt).

„Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig . . .“

Ein Loblied auf die Güte und das Erbarmen Gottes. Der unbekannte jüdische Weisheitslehrer, der da schreibt, nahm dafür die Autorität des großen israelitischen Königs Salomo in Anspruch. Hauptinhalt seiner Schrift ist, Weisheit als Gabe Gottes aufzuzeigen, die dem Menschen hilft, sein Leben nach dem Willen Gottes zu führen und zu ordnen. Dazu gehört, auf Gottes Wort zu hören, und vor allem nicht in den Götzendienst zu verfallen. Dabei sollte vor allem die dankbare Erinnerung an die Wundertaten Gottes, an die Befreiung des Volkes Israel aus der ägyptischen Knechtschaft, an die wunderbare Führung durch die Geschichte das Leben und den Glauben der Menschen bestimmen. Gottes Zusage an sein Volk galt nicht nur damals in der historischen Situation des Auszugs. Sie gilt auch heute noch, in Form seiner Güte und seines Erbarmens den Menschen.

„Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig . . .“

Gottes Güte und Barmherzigkeit gilt allen Menschen, und zwar so wie sie sind:“ Auch wenn wir sündigen, gehören wir dir, da wir deine Stärke kennen: Doch wir wollen nicht sündigen, da wir wissen, dass wir dein Eigentum sind.“ So lesen wir im gleichen Buch der Weisheit. Wir sind und bleiben sein, Gottes Eigentum. Wir brauchen das nur anzunehmen, uns die Güte und das Erbarmen Gottes schenken lassen. Dort wo das geschieht, werden Menschen zum rechten Handeln in dieser Welt ermutigt, werden Menschen ihren Mitmenschen in Liebe und Entgegenkommen begegnen können.

„Du aber, unser Gott, bist gütig, wahrhaftig und langmütig, voller Erbarmen durchwaltest du das All.“

Es bilden diese Worte zugleich ein klares Glaubenszeugnis. Der Schreiber bekennt Gott als den Allmächtigen, als  den, der alles vermag, als den, dem alles untertan ist. Das Neue Testament nimmt das auf und die Ostkirchen bringen es bildhaft zum Ausdruck: Jesus Christus als Pantokrator, als All-und Weltenherrscher - in fast jeder orthodoxen Kirche zu sehen: Christus als das Ebenbild des unsichtbaren Gottes, im Sinne von „alles ist durch ihn und auf ihn hin geschaffen“ (Kol.1,16).

Mit einem großen und liebenden Gott haben wir es zu tun, der mit uns und für uns ist, der uns nicht der Gebundenheit an Götzen überlassen möchte, sondern zur Weisheit eines Lebens mit ihm, dem liebenden und erbarmenden Gott führen will.

In diesem Sinne grüßt Sie und wünscht Ihnen einen schönen Sonntag,

Ihr Hans D. Daubner
Pfarrer der Evangelischen Kirchegemeinde Menden


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