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Tag des Friedhofs

Tag des Friedhofs – Kolumbarium eingeweiht

16.09.2013 – © Westfalenpost Menden – Silvia Rinke

Menden-Bösperde. Jannik hat vor drei Jahren seinen Papa verloren. Am Grabstein hängt ein „J“, für Jannik: „Papa weiß so, dass ich immer an ihn denke.“ Am Samstag, dem Tag des Friedhofs, dachte der Siebenjährige besonders intensiv an seinen Papa und wurde sehr traurig: „Man muss immer noch so schnell weinen“, pflichtete ihm Brigitte Bichmann bei und drückte ihren Enkel fest an sich. „Ich habe selbst schon wieder feuchte Augen.“

Die Evangelische Kirchengemeinde Menden weihte am Samstag auf dem Bösperder Friedhof am Wietholz ihr neues Kolumbarium ein (lateinisch für „Taubenschlag“), das zweite nach der Anlage Am Hahnenbusch.

„Man will heute Trauer nicht mehr nach außen tragen“, nannte Pfarrer Hans Dietmar Daubner Gründe für die geänderte Bestattungskultur, „dennoch braucht Trauer einen Ort der Erinnerung.“ Diesen bieten 18 Doppelkammern für jeweils zwei Urnen.Tag des Friedhofs

„Das wird eng mit Übergewicht“, scherzte Manfred Bolle, der wie die übrigen Umstehenden sehr locker und frei mit dem „Tabuthema“ Tod umging. „Für uns beide ist schon klar, dass wir uns hier bestatten lassen“, nickte seine Frau, Kriemhild Bolle. „Den Kindern und Enkelkindern kann man die Grabpflege doch heute nicht mehr zumuten.“ - „Die wollen das auch gar nicht“, meinte Manfred Bolle. Er zeigte auf ein frisches Grab mit Blumen- und Kranzschmuck wenige Schritte entfernt: „Hätten wir für die Mutter nicht schon ein Grab gehabt, läge sie hier im Kolumbarium.“

Brigitte Bichmann, im Presbyterium zuständig für den Friedhof, „blutet das Herz“, wenn Gräber verwahrlosen: „Manche Angehörige, die wir anschreiben, antworten gar nicht.“ Kolumbarien sind auch aus Sicht des Bösperder Bestatters Reiner Spierling ein idealer Kompromiss: „Sie umgehen die Anonymität, verursachen aber keinen Pflegeaufwand und keine Folgekosten.“

Für Dieter Becker, Vorsitzender des Presbyteriums, sind noch weitere Angebote denkbar; „in wenigen Jahren werden wir hier auch Baumbestattungen haben.“ Und dennoch braucht auch das moderne Bestattungszeitalter weiterhin die traditionelle Begräbniskultur: Für Jannik bleibt die Vorstellung, sein Vater wäre verbrannt worden, bis heute unerträglich. Er weiß ihn beruhigt im festen Sarg ruhen. „Zu Weihnachten war ich am Grab und habe etwas vergraben“, sagt der Junge. Was, verrät er nicht.

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