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Kirche vor Ort

„Wir sind Teil der Problems“: Lesung in der Kleiderkammer

Menden, 05.10.2011, © Anna Horstmann - Der Westen

Pfarrer Franz Meurer sprach in der Arche.

Pfarrer Franz Meurer sprach in der Arche. Foto: © Westfalenpost Menden

Menden. Eine Kleiderkammer ist ein außergewöhnlicher Ort für eine Lesung. Betonfußboden, Neonröhren, kahle Fenster. Und doch ist die Kleiderkammer der Arche genau der richtige Ort, um Franz Meurer erzählen zu lassen. Meurer ist Pfarrer in einem Kölner Problemviertel: hohe Arbeitslosigkeit, hoher ­Migrantenanteil, viel Armut. Über seine soziale Arbeit in diesem Viertel hat er das Buch „Wenn nicht hier, wo sonst? Kirche gründlich anders“ geschrieben.

Die Kleiderständer in der Mitte des Raumes sind 75 Sitzplätzen gewichen, trotzdem reichen sie nicht aus. Weitere Stühle müssen geholt werden, viele wollen Franz Meurer sehen. Zu Beginn der Lesung fragt Andreas Wallentin, Leiter der Buchhandlung Daub, wer den Pfarrer schon kenne. Fast alle melden sich, haben ihn im Fernsehen gesehen. Und eine klare Meinung über ihn haben sie auch: „Der ist ein toller Mann“; „Der redet nicht nur, der macht was“; „Ein geistiger Verwandter Mutter Theresas“ hört man es aus dem Publikum.

Pfarrer Meurer liest nicht, er predigt. Doch nicht auf katholische Weise, sondern undogmatisch, in derber Sprache mit breitem Kölner Dialekt. Er bezieht das Publikum mit ein, bringt es zum Lachen. Meurer versucht, seinem Viertel und den Menschen, die in diesem leben, zu helfen. „Wenn bei uns die Armen verachtet werden, dann geht die Kirche zu Recht vom Markt“, sagt er.

Besonders die Förderung der Kinder und Jugendlichen ist dem Pfarrer wichtig. Er spricht über Themen wie Teilhabe, Persönlichkeitsentwicklung und Wertschätzung. Er beschreibt, dass es in der Verantwortung der Gesellschaft liegt, Jugendliche ohne Schulabschluss nicht auszuschließen, sondern aufzubauen: „Sie sind Teil der Lösung, wir sind Teil des Problems.“

Oft von der katholischen Kirche kritisiert, geht er eigene, unorthodoxe Wege. Zum Beispiel, indem er alle Aktionen gemeinsam mit der evangelischen Kirche des Viertels angeht. „Ökumenisch ist doppelt so gut und halb so teuer.“

Das Lesen übernimmt Peter Otten, Co-Autor des Buches und Seelsorgerischer Leiter des Erzbistums Köln. Aus dem Buch liest er Beispiele vor, die die soziale Arbeit in ihrem Viertel illustrieren.

Immer wieder betont er dabei, dass es nicht darum gehe, die Menschen in die Kirche zu locken, sondern sie durch Angebote zu ermutigen, das eigene Leben in die Hand zu nehmen.


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