Jahreslosung 2012


„Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“
(2. Kor. 12,9)

Die Jahreslosung 2012 möchte uns durch das neue Jahr begleiten. Die Bibelworte aus dem 2. Korintherbrief sind zuerst ein mal  ein Aufruf zur Bescheidenheit, auch und vor allem angesichts der heutigen „Großtuerei“ in der Presse und den Medien. Zum andern beinhalten sie eine Verheißung, die vor allem jenen gilt, die auf der Schattenseite des Lebens stehen.

Im gemeinsamen Nachdenken könnte dem vermeintlichen Widerspruch, der sich in dem Bibelvers verbirgt, nachgegangen werden, vielleicht anhand der Schwachheit des Apostel Paulus, anhand der Schwachheit der Korinther, an die Paulus schreibt und anhand unserer eigenen Schwachheit. „Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Pfarrer Hans D. Daubner
Pfarrer Hans D. Daubner

Das sagt ein Mann, der weiß, wovon er spricht: Paulus, der Völkerapostel, war zeit seines Lebens ein „Schwächling“, geplagt von körperlichem Gebrechen, von Krankheit bis hin zur Epilepsie; aber auch psychisch ein Mensch im Widerspruch: erst Christenverfolger und dann, nach dem Ereignis von Damaskus einer der eifrigsten Christusanhänger. „Saulus schnaubte mit Drohen und Morden gegen die Jünger des Herrn“ lesen wir in der Apostelgeschichte. Dann wird er vom Auferstandenen überwältigt: “Saul, Saul, was verfolgst du mich?“, fällt zu Boden und  ist drei Tage lang nicht mehr bei sich. „Dann fiel es von seinen Augen wie Schuppen, er stand auf, ließ sich taufen und stärkte sich. . .“ (Apg.9,18) 

Paulus begibt sich auf Reisen. Bringt das Evangelium nach Europa. Schreibt Briefe an die jungen Christengemeinden. Trotz Schwachheit und Gebrechlichkeit setzt er etwas in Bewegung, das es so noch nicht gegeben hatte.
„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Das sagt und schreibt der ehemalige Christenverfolger an die Gemeindeglieder in Korinth. Er hatte die Korinther besucht. War achtzehn Monate bei ihnen gewesen, wusste genau, wie es um sie und ihre Schwachheit stand.

Ganz unterschiedliche Menschen waren dort zu Hause. Unter ihnen hatte sich Unzucht und Dekadenz breit gemacht. Zum andern waren sie dem Neuen gegenüber nicht verschlossen. Und Paulus hatte ihnen was zu sagen. Er sagt es auf seine Art und Weise,  wohl wissend, dass er sich damit nicht nur bloß stellt, sondern sogar lächerlich macht. Ihm geht es um die Verkündigung der frohen Botschaft und dabei sind ihm alle Mittel recht, auch das „Rühmen der Schwachheit“. So gelingt es ihm nach seinem Weggang, eine wachsende Gemeinde bestehend aus ein paar hundert jungen Christen zu hinterlassen.

„Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Betrachtet man den griechischen Urtext, wird man zu einer etwas anderen Übersetzung kommen: . . „denn die Kraft wird in Schwachheit vollendet/ kommt in Schwachheit zum Ziel/“. Das heißt nicht: mache dich schwach, damit Gott in dir mächtig wird. Es heißt eher: in der Schwachheit hat Gott nicht nur Paulus, sondern auch uns Existenzielles zu sagen. Oder auch das: Nicht die Starken, die Mächtigen, die in den Medien Präsenten und die Medien steuernden sind es, durch die Gottes Kraft wirken will, sondern die Schwachen, die Kranken, die Behinderten, die Menschen, die auf der Schattenseite des Lebens stehen, die Vielen, die man so leicht übersieht. Ihnen gelingt es immer wieder Erstaunliches zu bewegen. Die jüngste Geschichte hat es gezeigt. Als Menschen durch Kerzen und Friedensgebete am Fall der Mauer zwischen Ost- und Westeuropa  mitwirkten.

„Christus spricht: Meine Kraft ist in den Schwachen mächtig“. Das ist nicht nur Feststellung, sondern auch Zusage und Verheißung. Auch unser Tun geschieht oft in Schwachheit, und bruchstückhaft. Dennoch dürfen wir gewiss sein, dass Gott mit uns ist und auch durch uns etwas bewegen möchte.

In diesem Sinne grüßt Sie, verbunden mit guten Wünschen zum neuen Jahr  

Ihr Hans D. Daubner
Pfarrer der Evangelischen Kirchegemeinde Menden


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