Jahreslosung für das Jahr 2011


"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem." (Rm. 12,21)

"böse" gemeint? Vielleicht gar die Achse des Bösen (George W. Bush)? Was mit "gut"? Etwa die Allianz der Guten?

Daran konnte der Apostel Paulus, Pfarrer Hans D. Daubner
Pfarrer Hans D. Daubner
als er seinen Brief an die Römer schrieb, noch gar nicht denken. In diesem gewaltigen Schreiben, das vielleicht der wichtigste Brief des Völker­apostels ist, geht es um Glaube, Gesetz, Gottes Weg mit Israel, eigentlich um die gesamte Theologie des Paulus. Es ist nicht zufällig, dass gerade auf Grund dieses Schreibens der Reformator Martin Luther zu seiner Recht­fertigungs­lehre (Rm. 3,28) und damit zum Kernstück des Protestantismus gelangte. Es geht schlicht und einfach um das christliche Leben. Die Bibel überschreibt das so: Das Leben als Gottes­dienst und das Leben der Gemeinde. Danach geht es dann um die Stellung der Christen zur Obrigkeit, bzw. zur staat­lichen Gewalt. Das macht noch einmal klar und deutlich, dass es tatsächlich um das christliche Leben in all seinen Bezügen geht, in all seiner harten Wirklichkeit.

Paulus macht das, was er schreibt an konkreten Beispielen fest: Böse ist, wenn einer Rache und Vergeltung übt, die ihm gar nicht zusteht. Gut ist etwa, wenn die Spirale von Gewalt und Gegengewalt durchbrochen wird: "Wenn deinen Feind hungert, gib ihm zu essen, dürstet ihn, gib ihm zu trinken." (Rm.12,20) Also Umwertung aller Werte (Fr. Nietzsche) oder einfach nur Barmherzigkeit als Antwort auf Gewalt? Die Konkretisierung, das Tun des Guten, und damit die Absage an das Böse, könnte in einem Dreierschritt entfaltet werden: Auf Vergeltung verzichten, Frieden schenken, Liebe durchhalten.

"Wer unter euch ohne Sünde ist, der werfe den ersten Stein." sagt Jesus zu denen, die um ihn und die Ehebrecherin standen. Waren sie bereit, den erstbesten Stein zu ergreifen und auf die Frau zu werfen? Es wäre nach damaligem Verständnis die angemessene Strafe gewesen. Aber lässt sich damit Schuld aufheben und Gerechtigkeit herstellen? "Rächt euch nicht selbst", heißt es in Rm.11,19. "Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."

Frieden schenken. Der große Dirigent Daniel Barenboim musiziert mit Kindern und Jugendlichen in Ramallah im Westjordanland. Die Barenboim-Said-Foundation versucht junge Israelis und Palästinenser durch die Musik zusammenzubringen. Über den verbindenden und friedensstiftenden Charakter der Musik soll der Dirigent gesagt haben, wer die Sprache der Musik erlerne, werde fit gemacht für den Dialog. "Ist möglich, so habt mit allen Menschen Frieden", schreibt Paulus im Brief an die Römer. "Lass dich nicht vom Bösen über­winden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."

Liebe durchhalten. Elisabeth von Thüringen war bekannt für ihre aufopfernde Barmherzigkeit und Nächstenliebe. Ihr Umfeld hatte dafür wenig Verständnis. Als sie sich wieder einmal von der Wartburg auf den Weg zu den Armen machte und einen Korb voll Brot trug, wurde sie von ihrem Mann gestellt. Aber siehe, da hatte sich das Brot in Rosen verwandelt, dem Zeichen der Liebe. "So ist nun die Liebe des Gesetzes Erfüllung." (Rm. 13,10)

"Lass dich nicht vom Bösen überwinden, sondern überwinde das Böse mit Gutem."

Was heißt das letztlich in einer vom Individualismus und Relativismus geprägten Welt, in einer Gesellschaft, die mehr und mehr ohne Gott auszukommen meint?

Die Worte der Jahreslosung möchten ein Aufruf zur Achtsamkeit sein und damit zur Verweigerung des Bösen. Sie möchten aber vor allem eine Ermutigung sein, das
Gute zu tun und die Liebe zu leben.

In diesem Sinne wünscht ein gutes und gesegnetes neues Jahr 2011 -
Ihr Pfarrer Hans D. Daubner


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