Wort zum Sonntag, Pfingsten 2011


Echt voll schön, ey!

"Boa, das war echt voll schön, gesegnet zu werden!" spricht mich eine Jugendliche zwei Wochen nach ihrer Konfirmation an. Der 14jährigen ist die Begeisterung anzusehen. Ich muss schmunzeln, denn das sind so gar nicht meine Worte, mit denen sie ihre Begeisterung ausdrückt. Aber die Freude springt sofort über. Ich freue mich an dem strahlenden Gesicht. Noch mehr freue ich mich aber darüber, dass dieser junge Mensch verstanden hat, dass es in der Konfirmation in erster Linie um den Segen Gottes geht und nicht um die Geldgeschenke.

Sonst habe ich oft genug den Eindruck, Pfarrerin Dorothea Goudefroy
Pfrn. Dorothea Goudefroy
dass die Konfirmanden und ich nicht die gleiche Sprache sprechen. Ich erzähle Ihnen von dem, was mir wichtig ist: von Jesus Christus und davon, dass Gott uns durch unser Leben begleitet. Auch davon, dass wir unser Leben und unsere Lebendigkeit Gott verdanken. Ich ernte erstaunte Blicke und habe das Gefühl: die verstehen nicht, was mir so wichtig ist. Ja, es ist wahr, ich spreche nicht die Sprache der 14jährigen… Schließlich bin ich schon steinalt.

Vielleicht, denke ich, ging es den Jüngern Jesu nach Ostern und der Himmelfahrt Jesu genauso. Sie wollten bestimmt erzählen von ihrem Glauben an den Auferstandenen und an das Leben. Aber die Menschen verstanden sie nicht. Das lag zum einen daran, dass viele Menschen in Jerusalem fremdsprachig waren. Aus Phrygien und Pamphylien und Kappadozien, aus Libyen und von allen Enden der Erde. Es lag aber sicher auch daran, dass diesen Menschen alles so fremd war, was die Jünger zu sagen hatten.

Das begegnet mir heute in unseren Gemeinden auch: vielen Menschen ist Kirche fremd, obwohl sie Kirchenmitglieder sind. Menschen haben heute ganz verschiedene Lebensstile, Vorlieben und Wertvorstellungen. Nicht alle finden in unserem Gemeindealltag eine Heimat. Und dann komme ich als studierte Pfarrerin und wundere mich, dass nicht alle meine Sprache sprechen und verstehen.

Die Jünger Jesu haben zu Pfingsten ein Wunder erlebt. Sie haben auf der Straße von dem geredet, was sie geglaubt haben – und alle Menschen haben sie verstanden. All die verschiedenen Menschen haben Lust bekommen zuzuhören. Die Begeisterung hat sie angesteckt und 3000 haben sich taufen lassen.

Morgen ist Pfingsten. Ich bin gespannt, ob auch bei uns ein Wunder geschieht. Ich träume davon, dass alle Menschen verstehen: der Glaube an Jesus Christus macht mich lebendig. Ich hoffe, dass sie Lust bekommen zuzuhören. Vielleicht geschieht ja ein Wunder und die Begeisterung springt über. Das wäre echt voll schön, ey!

Frohe Pfingsten wünscht Ihnen Pfarrerin Dorothea Goudefroy


Link-Pfeil Aktuelles aus unserer Gemeinde
Link-Pfeil Archiv 2012 Geistliches Wort
Link-Pfeil Archiv 2011 Geistliches Wort
Link-Pfeil Archiv 2010 Geistliches Wort