Wort zum Sonntag


Mache dich auf und werde licht!

Liebe Leserinnen und Leser!

Pfarrerin Dorothea Goudefroy
Pfarrerin Dorothea Goudefroy
„Weihnachten kann doch gar nicht wahr sein. Es wird doch in fast allen Religionen ein Lichterfest im Dezember gefeiert. Das ist gar kein christliches Fest.“ Das sagt eine Konfirmandin in provokantem Ton, als wir über die Lebensgeschichte Jesu sprechen. Zur Hälfte hat sie Recht. In vielen Religionen gibt es ein Fest zur Wintersonnenwende, am kürzesten Tag des Jahres. Psychologisch ist das einleuchtend: wer wünscht sich in den langen, dunklen Stunden nicht mehr Licht? Wer ist nicht niedergedrückt wegen der Finsternis und freut sich auf die Frühlingssonne? Am 24. Dezember ist es so weit: Die Sonne wird „wiedergeboren“, die Tage werden länger, das Leben kann wieder erwachen.

Dass wir Weihnachten am 24. Dezember feiern, hat genau damit zu tun. Wir feiern das Licht, das in die Welt kommt. Wir tun das in der dunkelsten Nacht des Jahres, weil das Licht hier am hellsten aufscheint. Aber wir feiern eben nicht die Sonne, sondern das Licht des Lebens, wie Jesus sich selbst als Erwachsener nennt. Ob Jesus von Nazareth wirklich am 24. Dezember geboren wurde, wissen wir nicht. Insofern hat meine Konfirmandin Recht, dass Weihnachten nicht der „wahre“ Geburtstag ist. Aber ein christliches Fest ist Weihnachten ganz bestimmt!

„Mache dich auf und werde licht, denn dein Licht kommt!“ so fordert der Prophet Jesaja das Volk Israel auf. Er verheißt die Rettung aus dem Exil. Und er weiß: Wer das Licht erwartet, dem wird schon ein bisschen heller in der Seele. Wer sich auf das Licht freut, dessen Gesicht leuchtet schon jetzt.

Manche Tage sind so dunkel, weil Krankheit oder Not sie überschattet. Wie gut ist da die Hoffnung auf das Licht, das Gott schenkt! Manche Gedanken sind so finster, dass sie dringend ein Licht brauchen, das sie aufhellt. Wie gut ist die Zusage Gottes, dass wir Kinder des Lichts sind.

Manchmal können wir etwas dafür tun, dass unsere Gedanken oder das Leben anderer Menschen heller werden. Aber zu Weihnachten müssen wir gar nichts tun, außer uns beschenken zu lassen. Mit dem Licht der Welt, das Jesus Christus heißt und in Bethlehem geboren wird. In einem sehr alten Weihnachtslied singen wir davon:

Das ewig Licht geht da herein,
gibt der Welt ein‘ neuen Schein;
es leucht‘ wohl mitten in der Nacht
und uns des Lichtes Kinder macht.

Weihnachten ist ein Licht-Fest. Wir feiern, dass Gott sein Licht des Lebens in unserer Welt mit ihren Dunkelheiten und finsteren Machenschaften leuchten lässt. Dass Gott das wirklich tut, das kann fast gar nicht wahr sein. Und ist es doch!

Ein frohes und gesegnetes Weihnachtsfest mit leuchtenden Augen und hellen Herzen wünscht Ihnen

Dorothea Goudefroy,
Pfarrerin der Evangelischen Kirchengemeinde Menden


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