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Geistliches Wort zum Advent

Liebe Leserinnen und Leser!
Die Verkündigung
Die Verkündigung – linker Standflügel der
zweiten Schauseite des Isenheimer
Altars, Musée d'Unterlinden, Colmar

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Wer sagt eigentlich, dass Maria sich gefreut hat damals, als sie von ihrer Schwangerschaft erfuhr? In so einem Moment geht den werdenden Eltern einiges im Kopf herum: Wird alles gut gehen? In welche Welt wird dieses Kind geboren? Werden wir ihm ein gutes Zuhause und Geborgenheit geben können? Das alles wird auch Maria beschäftigt haben in langen neun Monaten. Wir sind es gewohnt, Maria etwas verklärt zu sehen, als gehorsame Dienerin Gottes. Aber zuerst einmal war sie furchtbar erschrocken. Der Evangelist Lukas erzählt davon, wie der Engel Gabriel in ihr stilles Provinzleben stürmt. Wie er Maria "Begnadete" nennt. Wie er mit seiner Botschaft hereinplatzt. Und Maria erschrak über die Rede, heißt es da.

Matthias Grünewald hat den Auftritt von Erzengel Gabriel auf dem Isenheimer Altar dargestellt (siehe neben­stehen­des Bild). Selbst das Gewand des Engels weiß vor Freude kaum wohin und weht um ihn herum. Der Engel ist groß – Maria kniet vor ihm und wendet den Kopf ab. "Nur das nicht!" scheint sie zu sagen. Ist sie denn etwas Besonderes? Sie ist doch ganz normal, oder? Sie ist vielleicht 16, hat Träume fürs Leben, sie macht sich gerne hübsch, sie möchte Spaß haben. Sie kann doch nicht schwanger werden!

Der Engel lässt sich nicht stören. Er richtet seine Botschaft aus: Fürchte dich nicht, Maria, du hast Gnade bei Gott gefunden. Siehe, du wirst schwanger werden und einen Sohn gebären, und du sollst ihm den Namen Jesus geben. DerPfarrerin Dorothea Goudefroy
Pfarrerin Dorothea Goudefroy
wird groß sein und Sohn des Höchsten genannt werden. Lukas 2,30-32 Fürchte dich nicht. Das sagt der Engel so einfach. Dabei hat Maria jetzt erst Recht Grund zum Fürchten. Ihr wird nicht nur zugemutet, schwanger zu werden, sondern sie soll einen König, den Sohn Gottes, zur Welt bringen. Was für ein Leben wird dieses Kind haben? Maria hat Angst. In Grünewalds Bild sieht man die Sorge und Ablehnung in Marias Haltung und Gesichtsausdruck.

Doch dann wird ihr klar, dass sie keine Wahl hat. Und Maria gelingt etwas ganz Schwieriges: aus dem Erschrecken und der Ablehnung heraus gelingt es ihr, zuzuhören. Sie öffnet ihr Ohr für die Botschaft Gottes und nimmt sein Wort in sich auf, obwohl es ihr gar nicht passt. Maria lässt Gott im Hören in ihr Leben ein. Das ist leibhaftige Theologie. Das Wort Gottes wird Fleisch in Maria. Sie öffnet ihr Leben, ihr ganzes Sein für ihn, den Retter.

Gott so mit allen Konsequenzen in das Leben einzulassen, das kann uns ein Vorbild sein. Gott unser Ohr zu öffnen, damit er zu uns kommen kann, das können wir von Maria lernen. Und für heute erst einmal: Warten lernen auf die Geburt des Retters, die sich an einem ganz normalen Ort in einer ganz normalen Zeit unter ganz normalen Menschen ereignet.

Es grüßt Sie herzlich zum Advent
Ihre Pfarrerin Dorothea Goudefroy


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