Weihnachtsbotschaft aus Peru an die Evangelische Kirchengemeinde in Menden

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Liebe Brüder, liebe Schwestern!

Denn uns ist ein Kind geboren, ein Sohn ist uns gegeben, und  die Herrschaft ruht auf seiner Schulter; und er heißt Wunder-Rat, Gott-Held, Ewig-Vater, Friede-Fürst. (Jes 9,5)

© Galyna Andrushko - Fotolia.com
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Mit diesen Worten des Propheten Jesaja grüßen wir Euch herzlich in der Gnade unseres Herrn und Heilandes Jesus Christus. Möge diese großartige Gnade des kleinen Kindes Jesus  Euch mit reichem Segen  überschütten für den Beginn des neuen Jahres. Wir denken in dieser Zeit auch an Euch mit Freude und Dankbarkeit gegenüber Gott für unsere Partnerschaft. Wir blicken in die Vergangenheit, auf 10 Jahre des miteinander Unterwegsseins, wie ihr es uns auch geschrieben habt, wir sind in starke Bindungen von Freundschaft und Gemeinschaft hineingewachsen, wir haben glückliche und traurige Zeiten geteilt, haben Gebete geteilt, Briefe, Nachrichten, gemeinsame Gottesdienste zu unterschiedlichen Themen, kulturelle Traditionen und gegenseitige Besuche, das Pilgerjahr von Maggaly, und jetzt zuletzt den Besuch der Delegation im vergangenen Juli in Lima. Wir erinnern uns an Euch, wir haben Euch lieb. Menden ist in unseren Gedanken und in unseren Gebeten. Wir beten für Eure Gespräche, in denen ihr jemanden bestimmen werdet, der im nächsten Jahr nach Lima kommen wird. Die Geschwister sind voller Erwartung und guter Wünsche.

Liebe Brüder, liebe Schwestern!

An diesem Weihnachtfest möchten wir Euch einladen gemeinsam über den wahren Sinn von Weihnachten nachzudenken. Der schöne Text im LukasevangeliumSüdamerika © Sonja Schulz #30093528 - Fotolia.com
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2,8-16 verkündet einige Dinge, die widersprüchlich erscheinen könnten. Zuerst das Offenbarwerden oder die  Erscheinung Gottes und seiner Herrlichkeit, die mit einem Strahlen hereinbricht in die  gewöhnliche Arbeitsnacht einiger einfachen Hirten. Die Furcht, die die Hirten vor dieser Erscheinung empfanden steht im Kontrast zu den ruhigen Worten des Engels: Fürchtet euch nicht! Der Engel ist sich sicher, dass diese Furcht sich in eine unermessliche Freude verwandeln wird, wenn sie die guten Nachrichten hören, die er ihnen bringt. Danach die nicht weniger widersprüchliche Ankündigung, dass der Heiland in dem einfachen Dorf Bethlehem geboren werde, der überdies der Messias und der Herr sei, und den sie schlafend in einer Futterkrippe finden würden, gewickelt in Windeln.

Es ist widersprüchlich, wenn man es nach der Logik des Marktes betrachtet, in die sich die aktuelle Weihnacht seit vielen Jahren hüllt. Nach dieser Logik wird es vielleicht kein Engel sein der heutzutage den Segen verkündet, auch werden seine Empfänger keine einfachen Hirten sein und der Messias kein neugeborenes Kind in einer schlichten Futterkrippe. Diese Ideen verkaufen sich nicht gut in einer Zeit, in der Weihnachten kommerzialisiert ist, und seine eigenen Symbole erfindet, um die Gier nach Verkaufen und Kaufen selbst des Unnötigsten zu befriedigen. So geht der Sinn dieses christlichen Festes verloren. Deshalb geschieht es, dass in der Mehrheit der heutigen Welt diese geistliche Gestalt jener Nacht verloren gegangen ist. In Lima erlebt man das mit großer Häufigkeit.

Viele Leute betrachten Weihnachten als eine Zeit, wo man Geld verdienen kann. Es spielt keine Rolle, ob die Rechte des anderen verletzt werden oder ob das Leben in Gefahr gerät. Die Leute sind depremierter in dieser Zeit, besonders die Armen weil für sie unerreichbar ist, was die moderne Weihnacht bietet.  So erlebt man die aktuelle Weihnacht: der wahre Sinn der Weihnacht wurde durch die künstliche, die “fantastische”, die neuartige Weihnacht ersetzt. Lasst und nicht vergessen, dass Gott das ganz Einfache erwählt hat um uns seine Heilsabsichten erkennen zu lassen. Die Hirten in Palästina repräsentierten eine soziale Randgruppe und wahrscheinlich wurden sie wegen ihres Berufes als unrein betrachtet. Trotzdem werden in dieser Nacht die Niedrigen, die am Rande Stehenden und Unreinen verwandelt in die Ersten, die vom Engel des Herrn eingeladen sind den neugeborenen Messias zu besuchen. Mit allem Recht empfinden sie Furcht, als die Herrlichkeit Gottes offenbart wird, als die gewöhliche Arbeitsnacht sich in die Nacht der göttlichen Erscheinung verwandelte.

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“Das Weihnachtslied” komponiert von Adolphe Adam schafft es, das Großartige dieser Nacht nachzuzeichnen:

Oh heilige Nacht, die Sterne leuchten so hell;
Es ist die Nacht der Geburt unseren geliebten Heilandes
Seit langer Zeit war die Welt in Sünde und seufzte im Irrtum,
Bis er erschien und die Seele mit Mut erfüllte.


Ein Hoffnungsschauder, Erquickung dermüden Seele,
Ein neuer strahlender Morgen bricht an..
Beugt die Knie, hört die Stimme des Engels!
¡Oh göttliche Nacht, oh Nacht in der Christus geboren wurde!
Oh Nacht, Oh heilige Nacht, Oh göttliche Nacht!


Diese Weihnacht ist vor allem eine Nacht des Segens für die Niedrigen dieser Erde. Sie ist gute Nachricht, Rettung für die ganze Welt. Es geht um das Geheimnis der Menschwerdung Gottes. Gott hat in Jesus das Gesicht des Menchen angenommen, um uns Freiheit zu bringen, Heil und Rettung mitten in einer Welt der Widersprüche. Es ist eine göttliche Nacht, weil sich in ihr das Geheimnis der Menschwerdung zeigt.

Die Reaktion der Hirten, nachdem sie ihr Erstaunen überwunden hatten, war, sich so schnell wie möglich in Bewegung zu setzen in Richtung Bethlehem, weil sie dabei sein wollten in diesem heiligen Moment, den ihnen Gott durch den Engel angekündigt hat.  Heute sind auch wir aufgerufen, liebe Brüder und Schwestern, auf die Knie zu fallen vor der Botschaft des Engels und diese Weihnacht zu feiern als eine göttliche, eine heilige Nacht, eine Nacht des Segens für die ganze Menschheit. Lasst sie uns feiern mit  Freude, in Anbetung und Harmonie, lasst sie uns feiern mit unseren Lobliedern, vereint in dem ewigen Geist der Weihnacht.

Lasst uns die mächtige Botschaft von der Kommerzialisierung befreien, die die eigentliche Botschaft verzerrt hat. Sie will die Stimme des Engels zum Verstummen bringen mit dem Lärm von Angebot und Nachfrage. Sie stürzt diese heilige Nacht in eine Nacht der zwanghaften Gier nach Konsum. Nur wenn wir das Göttliche dieser Nacht wieder freilegen, können wir aufs Neue das Geheimnis des Heiligen wahrnehmen. Nur indem wir das Göttliche dieser Heiligen Nacht betrachten, können wir den wahren Wert von Weihnachten offenlegen. Lasst uns deshalb schnell nach Bethlehem gehen um auch Zeugen der Botschaft Gottes zu sein. Denn wie die Hirten sind wir von ihm eingeladen.

Liebe Brüder, liebe Schwestern,

möge Gott in dieser heiligen Weihnachtsnacht die Mission unserer beiden Gemeinden segnen, möge er auch unsere Partnerschaftsbeziehung segnen. Dass wir in dieser Festnacht uns vereinen können im Gebet für die Kinder Perus. Die Statistiken sagen, dass 170 Kinder in diesem Jahr gestorben sind (50% davon in ihren Elternhäusern), Opfer von brutaler Gewalt der Erwachsenen. Lasst uns die Ausbeutung der Geringen, die zerstörten und verwahrlosten Familien ins Gebet nehmen. Für die Frauen in unserem Land lasst uns beten (in diesem Jahr wurden 406 Frauen ermordet durch die Hand ihnen nahestehender Menschen), dass sie keine Angst haben diese Verstöße gegen die Menschlichkeit anzuzeigen, dass sie nicht im Stillschweigen bleiben oder von der Justiz vergessen werden.

Für die am meisten Betroffenen, die Armen und die Bauern in Cajamarca, deren Gewässer gefährdet sind durch die sich aufzwingende Goldmine Yanacocha, dass der Dialog erhalten bleibt und der Respekt der Parteien für die Verteidigung des Lebens. Lasst uns für jene beten, die Mittler des Friedens sind, für die, die Lösungen in der Klimakrise und Finanzkrise suchen, die sich um die Welternährung, die den Wasserhaushalt und die ethischen Fragen in der Welt bemühen. Es braucht eine Erwärmung, die die menschlichen Herzen berührt. Möge die Geburt Jesu uns inspirieren in den Festtagen, damit wir dieser Wärme Zugang gewähren zur Tiefe unseres Herzens. 

Frohe Weihnachten und ein glückliches neues Jahr! Das sind die aufrichtigen Wünsche von der Iglesia Evangélica de los Peregrinos del Perú, San José- El Agustino, Lima.

Pastorin Hilda Tenorio

Lima, 21 Dezember 2011.


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