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Hupen mit Herz - Eindrücke aus unserer Partnergemeinde in Lima

Am 30. Juli kam die Delegation unserer Kirchengemeinde wohlbehalten aus Peru zurück - zwei Wochen bei unserer Partnergemeinde in Lima und im Land Peru lagen hinter uns.

Angefangen hatte die Reise leider mit einem Schock: Maria Salas hätte für die Einreise nach Peru ein Visum gebraucht und wurde sofort wieder nach Deutschland zurück geschickt. Die Trauer und Wut über dieses rigorose Vorgehen hat uns während der Reise begleitet. Trotzdem waren es wunderbare Wochen mit unseren Glaubensgeschwistern in einem uns unbekannten Land. Vielfältige Eindrücke stürzten auf uns ein: der Straßenverkehr, ungewohntes Essen (gegrilltes Meerschweinchen z. B.), Andenmusik im Gottesdienst, der Machu Picchu am Rand des Amazonasgebietes, Gespräche mit Händen und Füßen und auf "Spaenglisch", Farben und Gerüche in hoher Intensität…

Die Gemeinde der Peregrinos bot uns ein Zuhause: Konkret im Haus von Maggalys Eltern, das für uns neu gestrichen wurde; übertragen in den Gottesdiensten und Begegnungen und in vielen Stunden der Gastfreundschaft.Begrüßt wurden wir mit einem Gottesdienst, in dem wir die Grüße der Evangelischen Kirchengemeinde Menden überbrachten. In der ersten Woche waren wir dann zusammen mit Rolando aus der Gemeinde in den Anden unterwegs. In Cajamarca und Cusco besuchten wir Kinderheime, die (fast) ohne staatliche Unterstützung auskommen müssen, und informierten uns über die fatalen Folgen des Goldabbaus für Mensch und Umwelt.

In Cajamarca und Lima feierten wir mit der Peregrinogemeinde den Sonntagsgottesdienst. Bei den Liedern konnten wir schnell mitsingen und lernten, dass man dazu "mit dem Herzen hupt" (klatschen und hupen sind dasselbe Wort!). In Lima feierten wir das Abendmahl miteinander und in beiden Gottesdiensten durfte ich als Gast predigen. Viele Ausflüge haben uns persönliche Begegnungen mit einzelnen Gemeindegliedern möglich gemacht und uns gezeigt, wie riesig Lima ist. Einen bezaubernden Abend hatten wir im Wasser-Park mit seinen beleuchteten Fontänen, einen sonnigen Tag am Strand des Pazifik (die Mutigen waren auch schwimmen). Der Empfang nach dem Sonntagsgottesdienst wurde zum Fest, bei dem wir optisch und kulinarisch Perus Regionen kennenlernen durften.

Wichtig für die Partnerschaft waren zwei Abende, an denen wir mit der Junta Directiva (entspricht dem Presbyterium) die Geschichte der Partnerschaft und ihren weiteren Weg besprochen haben. Da war viel Dankbarkeit für die gewachsene Beziehung, das Gebet füreinander und den Austausch über den Glauben und den Alltag. Wir freuen uns auf einen weiteren Besuch der Peregrinos in Deutschland; einen Termin dafür müssen wir noch finden. Außerdem haben wir angefragt, ob ein Gemeindeglied von uns ein Pilgerjahr in Lima verbringen könnte. Die Antwort: "Herzlich willkommen! Wir freuen uns!" Der Partnerschaftsausschuss wird die Idee weiter verfolgen.

Eine große Freude für uns alle war es, Maggaly wiederzutreffen. Sie arbeitet in zwei verschiedenen Einrichtungen als Psychologin mit Kindern und lernt weiterhin Deutsch am Goetheinstitut. Davon haben wir profitiert, weil sie oft für uns übersetzt hat. In Lima haben einige Gemeindeglieder bei ihr Deutschunterricht genommen und mit uns geübt! Das war sehr lustig - ungefähr so wie unser Spanisch.

Insgesamt hatten wir den Eindruck, dass unsere Partnerschaft mit der Gemeinde der Peregrinos in Lima gefestigt ist. Sie wird bei uns von einem großen Partnerschaftskreis getragen und in Lima von vielen Gemeindegliedern. Sie ist längst nicht nur das Hobby von ein paar Interessierten, sondern ein erfahrbarer Teil christlicher Gemeinschaft rund um die Welt für viele Menschen. Das hat auch das Thema unserer Reise bestätigt: Unidos en el Bautismo - vereint in der Taufe.

Die Taufe ist das Band, das uns miteinander verbindet. Das durften wir auf unserer Reise spüren und davon möchten wir beim Partnerschaftssonntag erzählen.
Dorothea Goudefroy

Vorurteile, die wir entkräften konnten:

1. im Winter ist es in Peru kalt - stimmt (für Deutsche) nicht! Bei 18-24°C konnten wir die lange Unterhose im Koffer lassen und haben oft geschwitzt.

2. im Winter regnet es in der Sierra nicht - stimmt nicht! Zwei Regenschauer in Cajamarca und ein Guss, der der Sintflut zur Ehre gereicht hätte, am Machu Picchu haben uns eines Besseren belehrt.

3. In Peru gibt es Verkehrsregeln - stimmt nicht! Ungeschriebene Gesetze vielleicht (das Recht des Stärkeren), aber keine erkennbare StVO… 4. im Winter scheint die Sonne in Lima nie, weil die Stadt unter einer geschlossenen Wolkendecke liegt - stimmt nicht, wenn Engel reisen! Wir hatten zwei sonnige Tage :-).

Miriam Wuttke erzählt:

Ich weiß nicht, wie ich anfangen soll. Auf Anfrage von Dorothy soll ich einen kleinen Text schreiben von meinen Eindrücken und einer Begegnung, die mich sehr bewegt hat. Mein erster Gedanke, als wir ankamen und vor dem Flughafengebäude standen, war: Es ist anders! Jeder Andere würde mich jetzt sicher schief angucken, weil man das doch sicher von vorneherein wissen müsste.

Lima ist verkehrstechnisch eine sehr chaotische und laute Stadt, die Luft ist dank der Autos nicht sehr sauber und riecht dementsprechend, alle Häuser waren noch im Rohbau und die meisten nur vorne gestrichen, aber wie heißt es so schön: ‚Aussehen zählt nicht'! Was mir während der ganzen Fahrt auffiel, war der Zusammenhalt der Gemeinde. Jeder kann auf den anderen zählen und zusammen bilden sie eine große Gemeinschaft.

Was mich am meisten bewegt hat, war die Arbeit von Christa Stark in Cajamarca. Ich fand es einfach nur überwältigend, wie sie innerhalb von 30 Jahren eine Schule, zwei Kinderheime und einen Bauernhof bauen und gründen konnte. Und es geschafft hat, dass sie weiter bestehen können, auch wenn sie jetzt Rentnerin ist.


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